Piton de la Fournaise
reuniongross.gif (808 Byte)
Tanz auf dem Vulkan
Cascade du Chaudron
Gegen 9 nach dem Frühstück kam die Agentin von der Mietwagenverleih und brachte den VW Polo vorbei. Das Ganze dauerte nur ein paar Minuten und dann konnten wir mit dem guten Stück verduften. Bereits vom Weg vom Flughafen in die Stadt hatten wir einen Carrefour-Markt ausmachen können und den steuerten wir an, denn wir mußten zuerst noch etwas einkaufen gehen.
Die Auswahl war wieder gigantisch - man merkt keinen Unterschied zwischen dem Mutterland und den Überseedepartements. Auch die Einrichtungen scheinen überall auf der Welt gleich zu sein.
Wir holten uns was zu Essen und zu trinken und starteten dann unseren ersten Ausflug: Tagesziel war die Cascade du Chaudron, ein etwa 300 m hoher Wasserfall in der Ravine du Chaudron oberhalb von Saint Denis.
Allerdings soll der Weg nicht einfach zu finden sein und trotz einer guten Wanderkarte des Institut Geographique National im Maßstab 1:25.000 hatten wir ganz schön zu suchen, ehe wir den Beginn des Weges erreichten, der eigentlich vom Fremdenverkahrsamt nicht mehr empfohlen wird, da er teilweise über privaten Grund führt.
Plötzlich konnten wir an einer kleinen Mauer ein Zeichen ausmachen, das Steffen irgendwie bekannt vorkam. Da war so ein kleiner Vogel hingemalt und mit den Worten Cascade du Chaudron bezeichnet. Aber so richtig war kein Weg zu erkennen. Es ging durch ein kleines Türchen, dann stand ein Haufen Gerümpel herum und alles endete an einer zugewachsenen Mauer.
Die hatte aber doch einen kleinen Durchgang und nach ein paar Stufen ging es sofort nach rechts weiter. Zuerst entlang eines Zaunes und dann immer an einer alten verrosteten Wasserleitung entlang. Der Zustand der Leitung war zwar erbärmlich, aber gerade deswegen konnte man seinen Durst eigentlich fast immer an irgendwelchen lecken Stellen löschen, wo kleine Fontänen heraus spritzten. Der Pfad war sehr schmal, wobei man manchmal am Besten direkt auf der Leitung lief. Links war der Berg und rechts ein tiefer Abgrund. Man bekam einen ersten Eindruck von der Steilheit der Landschaft.
Nach ein paar Minuten kommt man zu einer Weggabelung, wobei man unbedingt dem rechten Abzweig folgen sollte. Halt man sich aber links, muß man in einer Höhe von mindestens 10 Metern an einer Felswand entlang auf der Wasserleitung balancieren.
Das Ganze sah von unten ziemlich abenteuerlich aus, denn das früher bestehende Geländer war durch Steinschlag schon fast völlig im Eimer. Also, liebe Wanderer, immer schön rechts halten. Man steigt zwar in ein kleines Tal ab und muß in der Hitze auf der anderen Seite wieder hinauf, aber was ist das schon gegen Streß, den die Ehefrau hat, wenn sie die Risikolebensversicherung kassieren will! Auf der nassen gußeisernen Leitung ist man schnell mal ausgerutscht und dann ist man im wahrsten Sinne des Wortes hinüber!
Durch dichten Wald geht es dann weiter und plötzlich kann man auch den Wasserfall ein erstes Mal sehen. Ganz schön hoch! Er scheint direkt aus den Wolken herunter zu kommen. Da müssen natürlich auch ein paar Fotos geschossen werden; damit verringert sich natürlich das Gehtempo beträchtlich. Und an jeder Ecke sieht es noch eine Spur besser aus! Leider kann man die bereits gemachten Fotos nicht rückgängig machen, denn es mangelt noch an einer Digitalkamera.
Je näher man an den Wasserfall herankommt, desto gewaltiger wird er. Jetzt kann man auch erkennen, daß rechts von ihm noch eine Kaskade herunter kommt, die nicht weniger hoch ist, allerdings nicht wie in einem "Strich" herunter fällt. Der letzte Teil des Wegs ist wieder etwas marode, das Geländer ist fast weg oder hängt verbogen in der Weltgeschichte herum. Hier scheinen manchmal ein paar ganz schöne Brocken herunter zu kommen. Also sehen wir zu, daß wir diese Stelle schnell hinter uns lassen. Dann liegt auch schon ein erster Pool vor uns, der zum Bad einlädt. Als aber öfters mal ein größerer Brocken von oben kommt und auf der Wasserfläche aufschlägt, lassen wir das lieber und laufen bis zum Pool weiter, der sich unterhalb des großen Wasserfalls ausdehnt. Aber auch hier fallen von den etwas überhängenden Wänden ab und zu größere Steine ins Wasser und wir suchen uns einen sicheren Platz fürs Picknick. Das Schwimmen lassen wir lieber ganz!
Nach einer halben Stunde machen wir uns wieder auf den Rückweg, der ungefähr eine Stunde dauerte.
Tipp: Für die reine Wanderung muß man gut 2 bis 2 ½ Stunden ansetzen. Mit ein paar Stopps und eine längeren Rast an der Cascade ist man dann auch schon vier Stunden unterwegs. Aber für ein erstes Kennenlernen der Natur Reunions ist es genau der richtige Einstieg.
Vom Chef des Hotels "Les Mascareignes" erhielten wir den Tipp, anstelle der Cascade du Chaudron die Cascade Maniquet zu besuchen. Diese liegt oberhalb des Orts La Brûlé auf dem Weg zum Parkplatz für den Aufstieg zur La Roche Écrite. Aus Zeitgründen konnten wir diese Tour, die laut Karte wesentlich kürzer aussieht, aber nicht machen.
Cap Noir
Auf dem Weg von Saint Denis zu unserer Ferienwohnung in Petit Ile wollen wir noch einen kurzen Abstecher in die Berge machen. Ziel ist das Cap Noir unweit der kleinen Ortschaft Dos d'Âne, das man über die Landstraße D1 von Le Port aus erreicht.
Hier gibt es einen kleinen Parkplatz, wo man das Auto stehen lassen kann, wenn man denn einen Platz ergattern kann. Wer Pech hat, muß sein Auto halt etwas weiter unten stehen lassen und bis zum Parkplatz laufen. Dann kann man den Rundweg zum Cap Noir starten.
Aber erst mal sollte man einen Blick in den Cirque de Mafate werfen. Das Panorama ist bereits hier einfach überwältigend! Tief unter uns liegt die Rivière des Galets, eine der größten Schluchten der ganzen Insel. Aber es soll noch besser kommen ...
Zuerst steigt man ein paar Holzstufen bergan, bevor sich der Weg teilt. Rechts geht es zum Aussichtspunkt am Cap Noir und links zur Roche Verre Bouteille. Wir halten uns aber rechts und steigen hinab zum Viewpoint, der in knapp 10 Minuten erreicht ist. Hier ist ein kleiner Pavillon aufgebaut mit einer Informationstafel, die markante Punkte bezeichnet. Man fühlt sich wie auf einer Kanzel - vorne geht es hunderte von Metern in die Tiefe. Und das fast senkrecht! Wir lassen das Ganze eine Weile auf uns einwirken, ehe wir weiter gehen. Links vom Pavillon führt ein schmaler Pfad weiter, der stellenweise schon ziemlich zugewachsen ist. Rechter Hand geht es steil nach oben und links entsprechen heftig nach unten! Fehltritte sollte man sich nicht leisten. An besonders steilen Stellen ist der Weg allerdings durch Leitern und Seile gesichert.
Und selbst an einen Wachhund wurde gedacht, der das Passieren der schwierigen Stellen beobachtete und sich zwischen unsere Füße drängelte, um noch etwas mehr Spannung in die ganze Sache zu bringen. Nach einem letzten Anstieg ist dann der Umkehrpunkt an der Roche Verre Bouteille erreicht. Dieser Felsen sieht aus wie eine Flasche - daher auch der Name. Von diesem Punkt führt auch ein Teil der GR R2 weiter zur La Roche Écrite. Aber das sind schon ein paar Kilometer und Stunden!
Wir biegen nach links ab, steigen noch ein paar Meter nach oben und dann geht es eigentlich nur noch auf dem "Eselsrücken" nach unten. Die Sicht reicht vom Cirque de Mafate bis hinunter ans Meer bei Le Port.
Einfach Gigantisch!!!
Die Wanderung ist in gängigen Führern mit 45 Minuten angegeben - ein Witz! Zwei Stunden braucht man schon, um die Runde zu absolvieren. Und wenn man dann wieder am Parkplatz angekommen ist, hat man eine der schönsten Panoramarouten auf Reunion erlebt.
Morne Langevin
Nachdem wir unsere Ferienwohnung in Beschlag genommen haben planen wir eine erste Tour für den nächsten Tag. Wir wollen hoch zum Vulkan, eigentlich um die Route etwas kennen zu lernen, die wir dann ein paar Tage später mitten in der Nacht noch einmal fahren wollen.
Als Tagesziel wurde der Morne Langevin ausgesucht, der in einer etwa dreistündigen Rundwanderung vom Parkplatz an der Plaine des Sables erreicht werden kann.
In Petit-Ile nehmen wir nicht die Küstenstraße, sondern fahren über die kleinen Nebenstraßen D31 und D3 nach Le Tampon. Aufgrund der vielen Kurven kommt man da aber nicht so recht vom Fleck, aber wiederum war die Fahrt durch die über 2 m hohe Zuckerrohrplantagen und Reste von alten Gereanienfeldern recht abwechslungsreich. In Le Tampon erreicht man dann die N3, die in einer Traverse quer über die Insel verläuft, am Col de Bellevue ihren höchsten Punkt erreicht und im Osten in Saint-Benoît wieder die Küste erreicht.
Im kleinen Ort Bourg-Murat am Kilometer 27 biegen wir nach rechts ab und befinden uns nun auf der Route du Volcan (RF 5), die bis in eine Höhe von 2311 m zum Pas de Bellecombe führt.
Aber bevor man den erreicht, gibt es noch allerhand zu sehen! Direkt an der Kreuzung befindet sich linker Hand die Maison du Volkan, ein 1992 eröffnetes Vulkanmuseum, das anschaulich weltumspannend und auch speziell über den Vulkanismus auf Reunion informiert.
Anfangs fährt man dann über Rinderweiden ständig bergan und durchquert auf steilen Serpentinen einen Cryptomeriawald, der mit Picknickplätzen übersäht scheint. Hat man dann erst mal die 2.000 m Marke geknackt, ändert sich die Landschaft und wird fortan von kleinen Höhentamarinden und Büschen beherrscht. Am Aussichtspunkt Nez de Boeuf ("Rindernase") folgt dann der erste Hammer: Man steht direkt an der Kante des Rivière des Remparts. Die Steilhänge fallen fast 1.200 m senkrecht in die Tiefe. Wir haben Glück, denn es sind noch keine Nebel aufgezogen und so bleibt der Blick in diese erste und älteste Caldera des Vulkans wolkenfrei. Vor den Gipfel des Piton de la Fournaise haben sich aber schon dichte und regenreiche Wolken geschoben. Da wird heute oben nicht mehr allzu viel zu sehen sein.
Die Straße verläuft jetzt in einem großen Bogen zuerst nördlich und dann südlich immer weiter bergan. Am Krater "xxxxxxxxx" lohnt sich noch ein kurzer Stopp. Von einer Aussichtsplattform kann man tief in den alten Krater hinunter schauen. Man sollte man schon etwas schwindelfrei sein, denn der "Balkon" scheint über dem Krater zu schweben, der in einem satten dunklen Rot leuchtet. Dann liegt auch schon die nächste große Caldera des Piton de la Fournaise vor uns: Die rotbraun leuchtende Sandebene der Plaine des Sables! Ab und an leuchten richtig orangene Stellen in dieser Wüste. Hier zweigt auch der Wanderweg zum Morne Langevin ab, aber wir wollen es doch noch wissen und fahren weiter bis zum Pas de Bellecombe. Zuerst windet sich die Straße auf einigen Serpentinen steil nach unten in die zweite, vor 40.000 Jahren entstandene Caldera. Ungefähr 150 Höhenmeter tiefer fahren wir dann über eine rot-orangene Sandpiste weiter durch die Sandebene. Das Wetter macht immer weiter zu und von den umliegenden Bergen kann man so gut wie nichts mehr erkennen. Am Paß angekommen ist alles wolkenverhangen. Selbst der Blick hinunter in den Riesenkrater des Piton de la Fournaise bleibt uns verborgen.
Also fahren wir wieder zurück bis zum Ausgangspunkt der Wanderung zum Morne Langevin. Dort lassen wir den Polo stehen und machen uns auf die Socken. Das Wetter ist trübe und der Vulkan zeigt sich überhaupt nicht von seiner schönsten Seite. Außerdem ist der Rundwanderweg geschlossen; man   darf nur den links an der Abbruchkante zur Plaine des Sables führenden Teil begehen. Dafür bessert sich das Wetter und ab und an kann man sogar den Gipfel des Vulkans durch die Wolken schimmern sehen. Direkt am Morne Langevin (2.403 m) steht ein kleiner Vermessungspunkt, der kaum zu verfehlen ist. Der Vulkan präsentiert sich jetzt in seiner ganzen Pracht! Aber es kommt noch besser. Man kann noch ein paar Meter weiter laufen und steht dann urplötzlich an der Abbruchkante zum Revière Langevin. Die Wände fallen hier fast senkrecht 1.200 m in die Tiefe ab. In der Ferne kann man deutlich die Küste zwischen den Orten Saint Philippe und Saint Pierre sehen. Dazwischen wabern immer wieder Wolkenfetzen von unten herauf. Der Gipfel des Vulkans wechselt alle paar Minuten sein Aussehen. Mal liegt er im prallen Sonnenschein, dann ist er wieder wolkenverhangen. Nach einer Brotzeit machen wir uns wieder auf den Rückweg und erreichen in einer reichen Stunde unser abgestelltes Auto.
Für heute soll es reichen!
Auf der Terrasse unserer Wohnung lassen wir es uns dann bei Fischer-Bier, Rhum-Punsch und einem leckeren Abendessen mit frischen Scampi gut gehen.
Réunions Ostküste
Nach den Wanderungen der letzten Tage steht heute mal wieder etwas anderes auf dem Plan: Mit dem Mietwagen wollen wir entlang der Ostküste bis hoch nach St-Benoît fahren und dann über die Traverse zurück nach St-Pierre und Petite Ile.
Da braucht man natürlich nicht so zeitig aufbrechen und so lassen wir uns richtig Zeit für das Frühstück. Über St-Joseph fahren wir Richtung Osten über die N2. Der erste Punkt ist der Pointe de la Table mit den Puits Arabe. Die Ostküste ist dem Südostpassatwind schutzlos ausgeliefert und die Wolken stauen sich am Massiv des Piton de la Fournaise. Also regnet es hier auch öfter Mal. Zusammengenommen können das bis zu 5.000 mm pro Jahr werden. Auch ist es das richtige Klima für die Vanille, die der Insel auch ihren einstigen Namen, Ile Bourbon, gab. Aber es ist keine Erntezeit und laut Reiseführer kann man sich den Besuch der Vanille-Kooperative sparen, denn dann wird dort nicht gearbeitet.
Am Pointe de la Table bildete sich 1986 beim großen Ausbruch des Vulkans innerhalb einer Woche eine 25 ha große neue Landfläche. Heute kann man hier einen 3 km langen Rundwanderweg wählen, der in 1½ Stunden über die Pointe de la Table führt. Aber wir belassen es bei einem Kurzbesuch an der Steilküste, an die ständig große Wellen krachen. Die Szenerie erinnert an den Volcanoes Nationalpark auf Big Island (Hawaii). Die Puits Arabe, der Araberbrunnen, sind ein in Basalt gehauener alter Brunnen, der im 8. oder 9. Jahrhundert von arabischen Seefahrern in den Basalt geschlagen wurde.
Die nächsten 10 Kilometer fährt man durch eine Landschaft, die den Namen Le Grand Brûlé, das große Verbrannte, trägt. Hier sind in regelmäßigen Abständen Lavaströme bis hinab ins Meer geflossen und der Krater des Piton de la Fournaise ist an dieser Stelle zum Meer hin quasi offen. Wir haben genug Zeit, uns das Ganze anzusehen, denn ein Platzregen zwingt uns, eine kleine Pause einzulegen. Die Scheibenwischer haben das viele Wasser nicht mehr geschafft! Die Kontraste der Farben sind schon Spitze: Das Grün der Vegetation, das Schwarz der Lava und das tiefe Blau des Meeres, über dem sich weiße Wolken türmen.
Cirque de Mafate
Cilaos - Marla
Mit dem Bus fahren wir von Petit Ile über St. Pierre nach Cilaos. Die kurvenreiche Strecke ist uns bereits bestens bekannt, denn mit dem Mietwagen sind wir die 400-Kurven-Tour schon einmal gefahren.
Aber mit dem Bus wird das Ganze noch eine Spur abenteuerlicher: Stellenweise wird dem Gefährt fast das Dach abrasiert und Serpentinen können nur durch Zurücksetzen gemeistert werden. In engen Tunnels werden natürlich die Spiegel eingeklappt, um überhaupt hindurch zu passen.
Aber die Fahrer verstehen ihr Handwerk! Souverän gelenkt kommt der Bus in Cilaos an. Hier erwischen wir auch den Bus nach Ilet a Cordes. Wir bitten den Fahrer, uns am Beginn des Trecks zum Col du Traïbit abzusetzen. Das heißt, wir fuchteln mit Händen und der Landkarte herum und hoffen, daß er uns versteht.
Als er ausgangs Cilaos den uns schon bekannten Weg nimmt, ist für uns die Welt in Ordnung.
Das allgemeine Zeichen, den Fahrer zum Anhalten zu bewegen, ist ein deutlich hörbares Händeklatschen. Zu dem Zeitpunkt wissen wir das aber noch nicht und machen uns halt durch lautstarkes Rufen bemerkbar. Der ganze Bus grölt, aber wir können aussteigen.
So haben wir schon mal mindestens 6 km gespart, die wir sonst mit der vollen Ladung auf der Straße hätten laufen müssen. Den Tipp bekamen wir übrigens von Alain, dem Vermieter unserer Ferienwohnung in Petit Ile, der auch ein leidenschaftlicher Outdoor-Freak ist. Die Busse fahren eigentlich immer dann, wenn einer aus St. Pierre kommt. Man braucht also keinen Fahrplan.
Vor uns liegt nun der Aufstieg zum Col du Traïbit, dem 2081 m hohen Übergang in den Cirque de Mafate.  Das sind also 800 Höhenmeter!
Ungefähr bei Halbzeit passieren wir den kleinen Weiler Ilet des Salazes. Hier kann man sich bei Bedarf etwas ausruhen und es gibt auch ein paar Kleinigkeiten zu kaufen.
Von einem 400 m entfernten Viewpoint hat man einen schönen Blick über den Cirque de Cilaos. Der Pfad dahin ist gut markiert und führt über eine Terrasse durch kleine Felder hindurch. Steffen verzichtete auf den Abstecher und ruhte sich lieber etwas aus. Denn so richtig hat er auch nichts verpaßt, hat man doch immer wieder bereits vom Weg aus schöne Blicke zurück auf den Talkessel des Cirque.
Nach zwei Stunden stehen wir dann oben auf dem Paß. Es zogen zwar etwas Wolken auf, aber die Berge blieben ansonsten frei. Trotz der Wolken reicht die Sicht bis hinunter zum blau schimmernden Meer.
Für den Abstieg bis hinunter nach Marla waren zwanzig Minuten angegeben. Diese Wunschvorstellung haben wir aber nicht einhalten können. Da hätte man schon rennen müssen!
Es dauerte schon fast eine Stunde, bis wir es geschafft hatten. An einer Bar genehmigten wir uns erst mal ein Bourbon-Bier. Das hatten wir uns jetzt wahrlich verdient.
Dann gingen wir hinüber zur Gite. Der Chef studierte unseren Zettel und gab schließlich ein Doppelzimmer frei! Nach dem Duschen gingen wir noch auf ein kühles Blondes und strömten dann zusammen mit den Anderen zum Essen. Das fand in der "Dorfdisco" statt, ein großer Speiseraum, der noch von der Silvesterfeier dekoriert war.
Vorspeise waren Kartoffelpuffer mit Chou-Chou-Gemüse, dann gab’s Reis mit Linsen und Wurstcarri. Und zum Abschluß Bananenkuchen. Als Getränke Wasser wie es eigentlich in Frankreich üblich ist und eine Flasche Pflaumenwein.
Wir konnten uns mit den Tischgenossen prima unterhalten - mit Händen und Füßen versteht sich! Also nicht ganz, es saß ein Luxemburger mit am Tisch, der dolmetschen konnte...
Gesamt
Höhenmeter im Aufstieg 800 m
Höhenmeter im Abstieg 400 m
Distanz 6,5 km
Marla – Roche Plate
Türenklappern läutet um 6:30 das Ende der Nacht ein. Das nervt den Steffen natürlich gleich. Seit gestern abend um 21:00 Uhr hat er ja auch erst 9 ½ Stunden geschlafen. Um 7:15 gibt es Frühstück und bereits eine Stunde später marschieren wir talauswärts. Immer schön bergab geht es jetzt. Da merkt man den mäßig schweren Rucksack kaum.
Marla verschwindet bereits nach wenigen Gehminuten. Wir wandern gemütlich eine Schlucht nach unten und müssen dort einen Bach überqueren. Die Steine sind relativ glitschig und man muß schon aufpassen, nicht hinein zu fallen. Aber mit den Stöcken kann man sich immer etwas abstützen und so geht es schon.
Trockenen Fußes auf der anderen Seite angekommen, können wir den Nächsten zusehen, die sich etwas abmühen. Da hat man eben gut lachen. Dann geht es locker weiter bis wir etwa die halbe Wegstrecke zurück gelegt haben.
Wir werden von einer kleinen gelben Katze begrüßt, die sich sogleich an unsere Fersen heftet um etwas Futter zu schnorren. Aber da wir selbst nichts haben kann sie natürlich auch nichts bekommen und so wendet sie sich Anderen zu. Hier in "Les Trois Roches" machen wir wie fast alle eine Rast am Wasserfall, der donnernd in eine tiefe Schlucht stürzt.
Nach einer halben Stunde gehen wir hoch motiviert weiter und müssen erkennen, daß es auch mal wieder nach oben geht. Und das nicht zu knapp. Etwa 200 Höhenmeter sind zu bewältigen, was wieder eine halbe Stunde Aufstieg bedeutet. Steffen läßt etwas die Mundwinkel hängen ...
In praller Tropensonne geht der Weg jetzt immer schön auf und ab. Der Cirque de Mafate liegt immer rechter Hand. Aber nach fünf Stunden sehen wir die Häuser von "Downtown" Roche Plate vor uns liegen. Noch eine Viertelstunde und wir sind unten.
Ein trostloseres Kaff habe ich noch nirgends gesehen. Natürlich nach meinen eigenen Maßstäben gesehen. Aber die dort lebenden Menschen lieben es sicherlich als ihre Heimat, denn sonst würden sie sicherlich nicht dort bleiben.
Die eine Boutique hat zu, die andere hat kein Bier. Denn ein solches hätten wir gerne getrunken. Wir müssen zwei Stunden warten, bis die Erstgenannte öffnet und dann gibt es kein Halten mehr. Gleich drei Biere werden getrunken und ein Viertes nehmen wir noch mit. Man kann ja nie wissen. Nachdem wir am frühen Nachmittag schon mal vergebens bei der Hüttenwirtin waren steigen wir wieder hinunter. Diesmal ist das Tor offen und wir finden Gehör. Aber die auf unserem Zettel stehende Unterkunft ist eine andere und wir müssen wieder hoch. Pech gehabt! Also gehen wir zu der angegebenen Unterkunft und legen dort unseren Zettel vor.
Man behauptet aber das es sich bei der Unterkunft um eine private Hütte handelt. Wir können gerne zu Abend essen aber unser Gutschein kann nicht angenommen werden. Also nehmen wir erst mal das Angebot des Abendessens an und Steffen trabt noch mal nach unten zu Mme. Robert. Die ist nun aber wieder nicht aufzufinden. Schwitzend kommt er nach oben und hat endlich die Nase voll! Ich auch!
Also gehen wir wieder zu dem Halsabschneider und bezahlen auch noch die Übernachtung. Unser Guthaben in Euro schwindet beträchtlich. Das waren nicht eingeplante 28 Euro.
Und der nächste Geldautomat ist noch weit. Vor Hell-Bourg werden wir keinen finden. Auf jeden Fall werden wir versuchen, das Geld in St. Denis bei der Maison de la Montagne wieder einzutreiben, denn wir haben ja noch den nicht eingelösten Gutschein.
Und was bringt uns das Abendessen? Dreimal darf geraten werden! Wurst-Carri mit den typischen Zutaten, als Nachtisch Pudding und leider keine Flasche Wein. Aber wir schleppen ja den Jim Beam noch mit uns herum und die zwei vorher gekauften Flaschen Bier der Marke Bourbon sind auch noch da. Gut daß wir diese in der anderen Boutique gekauft hatten, denn die zur Hütte gehörende Boutique ist biermäßig im Eimer. Der gute Wirt wartet auf die Lieferung per Helicopter ...
Gesamt
Höhenmeter im Aufstieg 300 m 1.100
Höhenmeter im Abstieg 800 m 1.200
Distanz 12,0 km 18,5 km
Roche Plate – La Nouvelle
Heute klappern um halb Sieben noch keine Türen. Also bleiben wir noch eine ¾ Stunde liegen und bekommen dann 7:30 unser Frühstück. So ein Menü kostet um die 4-5 Euro und ist sein Geld selten wert. Aber was macht man nicht alles, wenn man nicht jeden Keks mitschleppen will.
Nach dem "Abflug" nehmen wir Kurs Richtung La Nouvelle und sind mit dem ersten Teil des Weges auch recht zufrieden. Die Sonne lacht und die Stimmung ist gut. Dann liegt natürlich wieder ein tiefes Tal vor uns, das so etwa 500 m Abstieg und 650 m Aufstieg bedeutet. Gegenüber kann man die gesicherten Serpentinen sehen, die sich steil nach oben winden.
Das Tal nennt sich Riviere des Galets und ist eine der mächtigsten Schluchten der gesamten Insel!
Aber erst mal sind die 500 Höhenmeter im Abstieg zu meistern. Einige Stellen sind schon etwas exponiert und man muß etwas Obacht geben. Ein Ausrutscher könnte fatale Folgen haben. Dann stehen wir nach einer Stunde unten am Fluß im Riviere des Galets und suchen nach einer Furt. Aber wir haben Glück, denn ein Guide ist mit seiner Gruppe vor uns dort und wir brauchen ihnen nur nachzulaufen. An einer blöden Stelle im Fluß ist er uns genau so hilfreich wie seinen eigenen Leuten. Fanden wir irgendwie gut, wenngleich er in Sachen Schuhwerk nicht gerade ein Vorbild ist! Badelatschen tun es auf diesem Teil der Erde wohl auch...
Wir halten uns aber nicht allzu lange da unten auf, sichten aber noch einen schönen Badepool, den wir morgen mal testen wollen, wenn wir einen Teil des heutigen Wegs in entgegengesetzter Richtung zurücklegen müss(t)en.
Jetzt geht es aber heftig nach oben. Bevor wir oben ankommen werden sind 650 m Höhe zu bezwingen. Man hört zwar ständig irgend einen Wasserfall rauschen aber an das wertvolle Naß kommt man nur zweimal heran.
Der Aufstieg ist zwar anstrengend, aber man wird die gesamte Zeit von einem fantastischen Panorama begleitet. Um 12:00 Uhr haben wir das Plateau erreicht und müssen an einem Wegweiser bestürzt lesen, daß der für morgen geplante Weg gesperrt ist. So ein Pech! Aber erst mal laufen wir in den Ort und können erleichtert einen offenen Kiosk orten. Da wird doch wohl ein Bourbon zu kriegen sein. Oder nehmen wir lieber ein Fischer? Ist ja auch egal – Hauptsache es ist kalt! Und da werden wir natürlich nicht enttäuscht. Später machen wir noch eine Brotzeit und ich frage den Bergführer nach Möglichkeiten, wie wir doch noch nach Ilet a Bourse kommen können.
Und da bleibt dann tatsächlich nur einer übrig: Hoch zum Col des Boeufs und dann über den Sentier Scout zur Gite. Bei dem Wetter das wir heute haben kann das kein Problem darstellen. Wie heißt es doch so schön: "Wenn Engel reisen..."
Um 15:00 Uhr können wir in unsere Hütte einziehen und werden wiederum angenehm überrascht. Zwar ein Vierbett-Zimmer, aber wir müssen es mit niemandem teilen. Und was gibt es zu Abend? Na siehe Vortag. Dazu den Rest vom Jim und in einem unbeobachteten Moment krallen wir uns die Flasche mit leckerem Rumpunsch, der auf dem Tisch stehen geblieben war, und schenken uns noch einen ein. Bezahlt war er mit dem Abendessen ja schon.
Gesamt
Höhenmeter im Aufstieg 700 m 1.800 m
Höhenmeter im Abstieg 500 m 1.700 m
Distanz 6,0 km 24,5 km
La Nouvelle – Ilet a Bourse
Nach Frühstück und dem üblichen Herumgemähre können wir 8:45 endlich losziehen. Das Wetter ist noch prima und nach ein paar Fehlversuchen ist schließlich der richtige Weg gefunden. Vor uns liegt der Col des Boeufs. Leider verschlechtert sich das Wetter, die Planken sind glitschig und die Aussichten trübe. Kaum hat man die Regenjacke übergezogen hört es auf und man beginnt zu schwitzen. Also Jacke aus und das Spiel beginnt von vorne.
Aber bald stellt sich ein stabiler Zustand ein: Es gießt wie aus Kübeln! Bevor wir dem verschlammten Sentier Scout betreten, kaufen wir noch schnell eine Cola und ergeben uns in unser Schicksal. Die nächsten 9,5 km begleiten uns Schlamm und Regen, Regen und nochmals Regen.
Aber wir sind nicht die einzigen Wagemutigen, die diesen Weg einschlagen.
Der schmale Pfad windet sich am Hang entlang ständig nach unten, ehe es mal wieder "aufwärts" geht, wobei aufwärts in diesem Sinne nur ein Verändern der Höhe aber nicht eine Verbesserung der Stimmung oder aber eine Wetterverbesserung bedeutet. Denn regnet es mal nicht so stark, dann tropft es eben von den Bäumen herunter. Der ganze Wald ist nichts anderes als ein gigantischer Wasserspeicher!
Da kann man schon von einem Regenwald sprechen.
Zum höchsten Punkt des Weges hin passieren wir einen Grat, der nur etwa drei Meter breit war. Links und rechts stand das verkrüppelte Gebüsch nicht nebeneinander sondern übereinander. Es geht an beiden Seiten sicherlich mehr als hundert Meter senkrecht hinunter. Wie tief kann man eigentlich nicht abschätzen, denn man kann den Grund nicht erkennen. Alles liegt im Dunst von Nebel und Wolken verborgen. Außerdem ist es gar nicht so schlecht wenn man das Ende nicht erkennen kann ...
Nach dieser Engstelle geht es dann eigentlich nur noch bergab, mal steiler und mal wieder weniger steil. Trotzdem muß man gut aufpassen, um auf dem glitschigen Weg nicht auszurutschen. Nachdem wir noch einen Tamarindenwald durchquert haben, ist bald die Höhe von Ilet a Bourse erreicht. Aber auch eben nur die Höhe, da dazwischen wieder ein mindestens 100 m tiefes Tal liegt. Also geht es erst mal auf Serpentinen steil die 100 m hinunter. Gegenüber kann man den Weg erkennen, den man wieder mühsam nach oben muß. Die letzten 15 m bleiben uns allerdings erspart, denn eine Hängebrücke, die einen grundsoliden Eindruck macht aber dennoch nur einzeln betreten werden darf, überquert die Schlucht an ihrer tiefsten Stelle.
Ilet a Bourse liegt dann letztendlich auch nur auf einer Höhe von 850 m. Aber in Auf- und Abstieg ist heute doch eine ganze Menge zusammen gekommen. Um 15:00 können wir unser Quartier beziehen und um 17:00 schifft es immer noch, jetzt aber etwas weniger und ich beschließe, einen "Supermarkt" zu suchen.
Die Bar des Ortes hat dann auch geöffnet und von einem etwas finster dreinblickenden Typen kann ich zwei Bier bekommen. Die nehme ich erst mal mit um die Stimmung anzukurbeln. Natürlich werde ich auf den paar Metern zurück wieder naß. Oder bleibe es – das kann man nennen wie man will.
Wie sagt man doch so schön: "Bei dem Wetter jagt man keinen Hund vor die Tür...". Aber selbst bei dem Wetter sieht man draußen drei triefende Gesellen dieser Gattung auf ein Schnäppchen warten. Aber bei uns gibt’s nichts zu holen. Wir haben selbst Kohldampf. Aufgrund der unplanmäßigen Bezahlung der Unterkunft in Roche Plate reicht es heute nicht mehr zu dem obligatorischen Wurst-Carri. Und auch das Frühstück morgen wird wohl ausfallen. Einen Teil des restlichen Geldes legen wir, so denke ich, gut in der Bar an, denn eine Flasche zu 1,70 Euro ist für diesen abgelegenen Teil des Cirque de Mafate ein guter Preis.
Mit jeweils drei Bieren geben wir uns die Kante! Gemütliches Schnarchen läßt den ersten richtigen Regentag ausklingen. Es blieb aber auch der letzte!!!
Gesamt
Höhenmeter im Aufstieg 600 m 2.400 m
Höhenmeter im Abstieg 1.100 m 2.700 m
Distanz 15,5 km 40,0
Ilet a Bourse – Hell-Bourg
Halb Sieben ist die Nacht mal wieder vorbei. Das Camp beginnt sich zu regen: Türen klappern, Husten, Niesen, aber ein erster Blick auf den Himmel läßt Gutes erahnen. Die Sonne scheint! Als wäre gestern überhaupt nichts gewesen. Da wir ohnehin kein Geld für Frühstück haben, beeilen wir uns los zu kommen. Denn die meiste Zeit des Tages wird es heute nach oben gehen.
Auch weiß man ja nie wie sich das Wetter entwickeln wird. Und was man hinter sich hat das braucht man nicht im Regen zu laufen. Nach einem Müsliriegel kann es losgehen! Die ersten 9,5 km laufen wir in entgegengesetzter Richtung wie am Tag vorher. Nur heute werden wir von einem atemberaubenden Panorama begleitet. Die Luft ist klar und die Berge erstrahlen in einem satten Grün in der Morgensonne. Allerdings kehren sich auch die Höhenmeter des Vortags um. Was es gestern abwärts ging geht’s heute eben hinauf. Nach gut drei Stunden sind wir wieder an der Straße. Frühmorgens kommen uns nur auf den letzten Metern Leute entgegen. Die ersten 2 Drittel des Weges haben wir ihn für uns alleine. Selbst die Aussichtskanzel am Cap Noir kann man mit bloßem Auge erkennen.
Auf der Straße geht es dann nur noch abwärts bis in den ersten Ort des Cirque de Salazie. Aber es dauert auch seine Zeit! Unten können wir aber gleich ein Bier erstehen und von zwei Franzosen erfahren wir, daß man nach Hell-Bourg auch von hier aus mit dem Bus fahren kann. Die Fahrt geht nach Salazie und dort muß man in den nächsten Bus nach Hell-Bourg steigen. Der steht auch schon dort, ist aber bereits voll. Also Teil 1 gelang, Teil zwei geht dafür gründlich in die Hosen. Der Fahrer ist nicht ums Verrecken dazu zu bewegen, die Strecke vielleicht zweimal zu fahren. Immerhin hätte er die zweite Fahrt mit vier Personen so gut wie voll gehabt. Aber vielleicht hatten wir auch die falsche Hautfarbe: Vier Weiße und ein kreolischer Fahrer...
Wenn wir nicht auf den nächsten Bus in 4 ¾ Stunden warten wollen müssen wir wohl in den sauren Apfel beißen und laufen. Also auf geht‚s! Der soeben benutzte Bus fährt wieder in die Gegenrichtung und gegen ein geringes Entgelt, sprich den normalen Fahrpreis, fahren wir wieder drei Stationen mit und haben schon einmal 3 km gespart. Dann kann es losgehen. Immer schön bergauf und immer schön in der prallen Nachmittagssonne. 30°C und kaum Schatten! Aber nach 1¾ Stunden ist der Spuk vorbei. Ich denke aber, daß wir insgesamt doch ein paar Kilometer gut gemacht haben, denn der direkte Weg nach Hell-Bourg wäre auch ganz schön lang geworden.
Wir sind wieder auf 950 m Höhe angelangt und haben zum Abschluß des Tages noch einmal 500 Höhenmeter auf der Straße absolvieren dürfen. Aber morgen ist ja ein Ruhetag: Da werden keine unnötigen km herunter gespult. Und die Urlaubskasse können wir ja an einem der zahlreich vorhandenen Geldautomaten wieder aufbessern...
Das Hotel L’Orchidee Rose ist in der "Downtown" auch schnell gefunden und wir können unser Kellerverlies beziehen. Das Bad ist ganz o.k. und der Rest sollte für die Nacht auch reichen. Das Bett ist so weich wie ein Wackelpudding. Also muß sicherlich etwas für die Bettschwere getan werden. Zum Aufhalten ist das Ganze recht wenig geeignet. Das Bezahlen einer zweiten Übernachtung hat auch sofort zu erfolgen. Der Sohn der Eigentümerin drängt mit der Kreditkartenratsche noch als vierte Person ins winzige Zimmer und will den Zaster schon haben ehe die Rucksäcke den Boden berühren. Er hat wohl Angst, wir könnten das winzige fensterlose Zimmerchen durch die Lüftungsschlitze verlassen und die Zeche prellen. Dabei ist die erste Nacht ja ohnehin schon bezahlt gewesen! Aber der Mann wird von uns aus dem Zimmer gedrängt und die Bezahlung erfolgt dann vor der Tür.
Nach Dusche und Aufhängen des gesamten nassen Inhalts des Rucksacks besuchen wir dann ein Bar: Wegen der Bettschwere, versteht sich ...
Im gegenüber liegenden "Ti´Chouchou" ist auch noch ein Tisch für das Abendessen frei. Geld haben wir noch – einen Geldautomaten gibt’s aber nicht im Ort, also muß mal wieder die gute alte Mastercard herhalten. Anstelle Wurstcarri kommen heute Pouletcarri und Poulet a la Vanille auf den Tisch. Das gesamte Menü kosten 16 Euro pro Nase und hat lecker geschmeckt. Ob es die Ursache der später auftretenden Verdauungsprobleme ist kann hinterher nicht bewiesen werden.
Gesamt
Höhenmeter im Aufstieg 1.300 m 3.700 m
Höhenmeter im Abstieg 100 m 2.800 m
Distanz 21,5 km 61,5 km
Piton des Neiges
Hell-Bourg – Caferne Dufour
Nach einem Ruhetag mit Gewitter, Stromausfall und viel viel Regen machen wir uns vom Acker! Vom restlichen Geld kaufen wir schnell noch ein paar Köstlichkeiten ein. Über Preise wollen wir lieber schweigen. Oder nur so viel: Baguette und drei Dosen Thunfisch für 6 Euro!
Dann geht es erst mal geschlagene drei Stunde nur noch bergauf. Zuerst führt der Pfad durch den Bergwald sehr steil in vielen Serpentinen nach oben. Dann wird ein Plateau erreicht, wo es etwas gemäßigter weiter geht.
Der Weg ist wahnsinnig naß, hat es doch auch gestern fast den ganzen Tag geregnet. Die quer verlaufenden Wurzeln sind höllisch glatt und man muß gut aufpassen, nicht auf die Nase zu fallen. Wir überqueren einen kleinen Fluß und dann ist es vorbei mit lustig! Jetzt geht es erst richtig los.
Auf einen dreiviertel Kilometer Wegstrecke kommen jetzt 400 Höhenmeter! Die Höhenlinien auf der Karte liegen fast übereinander. Man steht wie vor einer Wand und kann sich kaum vorstellen, daß da überhaupt ein Weg nach oben führt.
Glücklicherweise verschwindet jetzt die Sonne hinter den vom Tal aufziehenden Wolken und dadurch ist es, zumindest von der Temperatur aus, nicht mehr ganz so unerträglich. Trotzdem werden die letzten Meter zu einer Tortur. Der Rucksack wird immer schwerer und schwerer; man kommt nicht umhin, öfters mal stehen zu bleiben. Etwas sehnsüchtig schaut man denen nach, die ins Tal absteigen. Aber die werden es heute abend auch spüren, denn so steil bergab zu laufen ist auch kein Vergnügen.
Aber jetzt ist das Cap Anglais erreicht!
Auf den wenigen Kilometern, sollen es vielleicht 4 gewesen sein, ist ein Höhenunterschied von 1.200 m bezwungen worden. Steffen ist als erster oben und als ich eintreffe entwickelt sich folgendes Gespräch:
Matthias: Willst' nen Riegel?
Steffen: ...
Matthias: Willst Du bissel Schokolade?
Steffen: ...
Matthias: Willst Du was zu trinken?
Steffen: hm...
Matthias: In zwei Stunden sind wir oben!
Steffen: ...
In den nächsten zwei Stunden herrscht dann auch "Funkstille". Es fällt  kein Wort mehr. Mein Bruder trabt in einem Abstand von 100 m hinter mir her.
Der Weiterweg bis zur Caverne Dufour ist dann aber eher eine leichte Wanderung. Die Sonne ist weg und in einer Höhe zwischen 2.100 und 2.500 m ist es schön kühl.
Als wir an der Hütte ankommen, sind schon ein paar Wanderer da. Aber von Hell-Bourg aus waren wir heute sicherlich die ersten.
Es dauert nicht lange und dann werden die Betten verteilt. Wir kommen in einem Raum mit 5 Etagenbetten für jeweils 3 Personen unter. Ich suche mir ein Bett in der Mitte aus und Steffen das Untere. Noch haben wir die freie Auswahl.
Aber jetzt sind wir reif für ein Dodo. Das Bier kostet hier oben jetzt bereits 2,50 €. Aber das ist uns scheißegal! Zusammen mit den mitgebrachten Köstlichkeiten machen wir eine feine Brotzeit.
Gegen Abend reißt die Wolkendecke zum Tal hin auf und wir können den Piton de la Fournaise sehen. Auch der Blick hoch zum Piton des Neiges ist frei. Und ganz in der Ferne leuchtet eine riesige Haufenwolke rot in der untergehenden Sonne: Dort ist Mauritius!
Wir verzichten auf das Abendessen der Hütte und futtern unsere eigenen Vorräte. Geld haben wir ohnehin keines mehr!
Dann ist es auch schon Zeit schlafen zu gehen, denn wir werden wohl gegen 4 Uhr aufstehen.
Aber tatsächlich sind wir bereits viel früher und auch viel öfter auf den Beinen! Die sich bereits in Hell-Bourg abzeichnende Magen- und Darmschwäche schlägt jetzt voll durch.
Da kann auch der schönste Sternenhimmel nicht trösten, den ich mir mitten in der Nacht ansehen konnte. Denn den Weg von der Toilette zum Bett konnte man sich manchmal sparen ...
Gesamt
Höhenmeter im Aufstieg 1.700 m 3.800 m
Höhenmeter im Abstieg 0 m 2.800 m
Distanz 10,0 km 71,5 km
Caferne Dufour – Piton des Neiges – Cilaos
Es kam wie es kommen mußte! Ausgerechnet heute war ich so schlecht drauf wie die ganzen anderen Tage zusammen nicht: Schlecht oder fast gar nicht geschlafen - weiche Knie - viel Gesch... - nichts gegessen und fast nichts getrunken.
Also mit anderen Worten: "Schwach wie Flasche leer", wie es damals Bayern Münchens Trainer Giovanni Trappattoni so treffend bemerkte!
Nach den ersten Metern spüre ich eigentlich schon, daß das heute wohl nichts werden wird. Mit der Taschenlampe in der Hand und als "Gepäck" nur den Fotoapparat und meine Wetterjacke schleiche ich hangaufwärts. Alle anderen sind schon weit vor uns. Steffen verliere ich auch bald aus den Augen. Der trägt natürlich heute ausnahmsweise mal die Wasserflasche! Ohne einen Schluck Wasser würge ich zwei furztrockene Müsliriegel hinunter und siehe da, gleich geht es etwas besser vorwärts.
Trotzdem geht es sehr mühsam weiter. Ich bin zwar nicht der Letzte, aber viel fehlt nicht. Nachdem der Weg etwas flacher wird erhole ich mich wieder etwas. Dann zieht er wieder steiler nach links hoch und endlich ist der Gipfelsattel erreicht. Ich bin so kaputt daß ich nicht mal Zeit zum Fluchen finde!
Schließlich komme ich total fertig oben an! Steffen ist schon dort und reicht mir die Wasserflasche. Ich leihe ihm dafür meine Regenjacke, die er als Windschutz um seine nackten Beine schlingt. Er hat nämlich keine lange Hose mit und morgens 6 Uhr ist es auf 3.071 m Höhe ziemlich kalt.
Für die geschätzten 1¼ Stunden bis nach oben habe ich geschlagene 2 Stunden gebraucht. 10 Minuten vor Sonnenaufgang bin ich erst oben.
Der Sonnenaufgang ist dann eher etwas enttäuschend! Die Sonne kommt erst sehr spät hinter einem riesigen Wolkenberg hervor.
Es sieht also auf keinen Fall so aus wie auf den Ansichtskarten, wo ein gelber Sonnenball vor einem glutroten Himmel steht!
Wir machen noch ein paar Fotos und beginnen dann abzusteigen. Natürlich lassen wir den offiziellen Weg links liegen und suchen uns statt dessen einen eigenen Weg über ein Geröllfeld, der tatsächlich kürzer und schneller ist.
An der Hütte beschließen wir, noch eine längere Pause einzulegen, bevor wir nach Cilaos absteigen. Mit einer heißen Tasse Tee und dem Rest der Baguettes können die Lebensgeister wieder geweckt werden und 1½ Stunden später machen wir uns auf den Weg. Vor uns liegen noch 1.200 Höhenmetern bis hinunter nach Cilaos. Es geht wieder extrem steil hinunter. Aber diesmal können wir das Panorama in ganzen Zügen genießen! Cilaos liegt zum Greifen nahe direkt unter uns.
Ab und zu kommen uns andere Wanderer entgegen, die den steilen Weg zur Caferne Dufour hoch müssen. Sie sind bei den heute herrschenden Temperaturen nicht gerade zu beneiden. Aber Mitleid ist fehl am Platz: Wir hatten einen ähnlichen Weg gestern auch aufsteigen müssen. Gegen Mittag sind wir bereits unten, nachdem wir unterwegs noch mal kurz begossen wurden.
Das gebuchte Hotel "Des Neiges" ist schnell gefunden und nach einem erfrischenden Bad im Pool wird erst mal an einem Bankautomaten die Urlaubskasse aufgefüllt und die klammen Klamotten zum Trocknen und Auslüften aufgehangen. Die Schuhe finden auf dem Fensterstock Platz und schrecken alle Mücken des Tals ab. Abends geht es noch mal auf die "Piste", spricht zum Abendessen, um die Akkus wieder aufzuladen. Nach überwiegend kreolischer Küche leisten wir uns mal wieder richtiges Fleisch: Entrecote mit grünem Pfeffer bzw. Roquefort werden geordert!
Gesamt
Höhenmeter im Aufstieg 600 m 4.400 m
Höhenmeter im Abstieg 1.800 m 4.400 m
Distanz 12,0 km 83,5 km
Tags drauf fahren wir mit dem Bus wieder hinunter nach St.Pierre, holen in Petit Ile unser restliches Gepäck bei Alain ab und nehmen dann den "Car jaune" Express Linie A nach St. Denis.
Dort übernachten wir wieder im kleinen aber feinen Hotel "Les Mascareignes" und fliegen anderentags nachmittags nach Mauritius weiter.