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| Fiji Abenteuer - Deutschlands ehemals schönste Ecke |
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Akilisi ist früh aus den Federn - ungewöhnlich früh für
einen Polynesier. Sein Job verlangt das: Akilisi ist Palmenschüttler im Club Wakaya auf
der gleichnamigen Südseeinsel. Vor Sonnenaufgang dreht er seine Strandrunden, klopft mit
einem Knüppel gegen die Stämme - und scheucht die Flughunde auf, die zu Hunderten
kopfüber in den Wipfeln hängen. Die riesigen Fledermaustiere, Pteropus samoensis,
könnten sonst einem Gast Anrüchiges auf den Kopf fallen lassen; das wäre peinlich im
feinsten Ferien-Resort der Fidschi-Inseln.
Dank Akilisi ist diese Gefahr gebannt - die einzige übrigens, die den Club-Urlaubern
drohen könnte. Wakaya, nordöstlich der Fidschi-Hauptinsel Viti Levu im Lau-Archipel
gelegen, ist so friedlich wie das Paradies vor dem Sündenfall.
Das war nicht immer so: Am 25. September 1917 blickten sechs Männer nach einem Bad in der
Lagune in ein Dutzend Gewehrläufe. Diese waren, wie sich später zeigte, versehentlich
ungeladen; die sechs hatten leicht zu ihren eigenen Waffen greifen und sich wehren
können. Aber ein kaiserlicher Marineoffizier kämpft nicht in der Badehose: Die sechs
deutschen Seeleute ließen sich widerstandslos festnehmen. Der Name ihres Anführers:
Felix Graf von Luckner, der berühmte "Seeteufel". "Mein Großvater war
Augenzeuge der Verhaftung und hat mir oft davon erzählt", sagt Akilisi. Hier also,
am schönsten der 32 Traumstrande von Wakaya, endet damals eine der abenteuerlichsten
Geschichten der christlichen Seefahrt.
Sie beginnt in Bremerhaven, wo am Weihnachtstag 1916 der Dreimastsegler
"Seeadler" ausläuft. Der als Holzfrachter getarnte Hilfskreuzer durchbricht
unter falscher (norwegischer) Flagge die englische Seeblockade. Als ihn vor Island ein
englischer Kreuzer stellt, übertölpelt der Kornmandant die Briten mit ein paar Brocken
Norwegisch: Felix Graf von Luckner, 1881 in Dresden geboren, weitgereister Weltmann und
Selbstdarsteller, ist mit allen Wassern gewaschen.
Die "Seeadler" überquert den Atlantik bis Rio und nimmt Kurs um Kap Hoorn. Als
Luckner im Juli 1917 die Südsee erreicht, hat der Pirat des Kaisers 14 Schiffe der
Weltkriegsgegner gekapert und versenkt - immer im gleichen Husarenstreich: Erst in letzter
Minute zeigt der "Holzfrachter" die Reichskriegsflagge und die getarnte Kanone.
Kein einziger Mann wird dabei getötet; seine ritterliche Kriegsführung trägt ihm die
Achtung auch seiner Feinde ein. Das Schiff ist voll Kapergut und Gefangener, als am 29.
Juli 1917 Maupihaa bei Tahiti in Sicht kommt. "Die Insel begrüßte uns mit ihren
hohen Palmen wie ein Paradies", schwelgt der Kapitän in seinen Erinnerungen.
Daran hat sich bis heute nichts geändert. Das Atoll ist Südsee-Natur pur mit Seevögeln,
Schildkröten, Kokosnüssen und reichen Fischgründen; dazu ein paar verwilderte Schweine
und wenige Hütten, in denen nur zur Fangzeit polynesische Fischerfamilien wohnen.
Der alte Kara'ka macht am Strand sein Auslegerkanu klar. Abends will er zum Krabbenfang
auslaufen in die mit Riffen und Sandbänken übersäte See; geleitet nur von Mond und
Sternen und vom jahrtausendealten Instinkt der Polynesier. Manches fremde Schiff ist in
diesen tückischen Gewässer versunken: Auch der "Seeadler" wird es zum
Verhängnis.
"In meiner Kindheit war das Wrack noch zu sehen", sagt Kara'ka. "Aber
inzwischen hat das Meer alles verschluckt!" Nur die Schiffskanone steht heute im Park
der Tahiti-Hauptstadt Papeete. Mehr ist nicht geblieben vom stolzen Hilfskreuzer
"Seeadler", den eine Flutwelle am 2. August 1917 vor Mauhipaa auf das Riff warf.
Nach unbestätigten, aber glaubwürdigen Berichten war keine Wache an Bord, die das
Unglück hätte verhindern können, weil sich alle Mann mit Beute-Champagner und
gastfreundlichen Insulanerinnen am Strand vergnügten.
Luckner richtet sich auf der Insel häuslich ein. Aus den Segeln werden drei Zeltlager
für Besatzung und Gefangene: Germantown, Americantown und Frenchtown. Maupihaa wird zur
deutschen Kolonie erklärt und (nach der Schwiegertochter des Kaisers) in Cäcilieninsel
umbenannt. Mancher Millionär hätte für ein paar Wochen Sommerfrische in unserem
Paradies ein Vermögen ausgegeben", schreibt der Graf später. Aber den
"Seeteufel" hält es nicht lange im Garten Eden. Nach vier Wochen besteigt er
mit fünf Getreuen ein Rettungsboot der "Seeadler", um ein neues Schiff zu
kapern.
Die Fahrt in dem offenen Sechs-Meter-Boot, das mittschiffs gerade 28 Zentimeter über
Wasser liegt, wird zur beispiellosen Odyssee. Auf Atiu (Cook Islands, damals britisch)
spielt Luckner einen durchgeknallten Holländer auf Abenteuer-Törn - und die Engländer
versorgen ihren meistgesuchten Feind mit Wasser und Proviant. Die Deutschen passieren die
Südseeträume Samoa und Tonga, wagen sich aber nicht mehr an Land. Nach 25 Tagen und
über 2500 Kilometern erreichen sie mit ihrer Nußschale halbtot die Fidschi-Insel Wakaya
- eine unglaubliche Leistung von Seemannskunst und Willenskraft. Und doch vergebens: Im
Paradies warten die Häscher.
Ein Paradies aus dem Südsee-Bilderbuch, heute Privatbesitz: Der US-Milliardär David
Gilmore hat die einst unbewohnte Insel für sechs Millionen Dollar gekauft und zum
Luxus-Resort ausgebaut. Für seine Fidschi-Belegschaft ließ er ein eigenes Dorf mit
Schule und Kirche errichten. Die Gäste kommen mit Wakaya Air in zehn Flugminuten von der
Fidschi Hauptstadt Suva herüber. Wo Luckners letzte Kaperfahrt endete, trinken sie ihren
Sundowner und lassen sich von Akilisi erzählen, wie es damals war - und wie es mit dem
"Seeteufel" weiterging.
Graf Luckner und seine Männer werden nach Neuseeland gebracht, fliehen mit einem
geklauten Boot und werden auf den Kermadec-Inseln erneut gefasst. Die auf Mauhipaa
wartende Crew kapert indessen ein französisches Schiff, läuft aber vor der Osterinsel
auf ein Riff und wird nach Chile deportiert.
1937 reist Felix Graf von Luckner mit seiner schwedischen Frau noch einmal in die Südsee
- und wird überall als Held gefeiert. Bis zu seinem Tod 1966 schwärmt er vom Zauber
dieser Inselwelt. "Lüge und Falschheit, Gewinnsucht und Hass sind nirgendwo so
selten anzutreffen wie in der Südsee", schreibt er in seinen Erinnerungen. Der
"Seeteufel" mag viel geflunkert und manches Seemannsgarn gesponnen haben - das
ist die reine Wahrheit. |
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