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| Cascade du Chaudron |
Gegen 9 nach dem Frühstück kam die Agentin von der
Mietwagenverleih und brachte den VW Polo vorbei. Das Ganze dauerte nur ein paar Minuten
und dann konnten wir mit dem guten Stück verduften. Bereits vom Weg vom Flughafen in die
Stadt hatten wir einen Carrefour-Markt ausmachen können und den steuerten wir an, denn
wir mußten zuerst noch etwas einkaufen gehen.
Die Auswahl war wieder gigantisch - man merkt keinen Unterschied zwischen dem Mutterland
und den Überseedepartements. Auch die Einrichtungen scheinen überall auf der Welt gleich
zu sein.
Wir holten uns was zu Essen und zu trinken und starteten dann unseren ersten Ausflug:
Tagesziel war die Cascade du Chaudron, ein etwa 300 m hoher Wasserfall in der Ravine du
Chaudron oberhalb von Saint Denis.
Allerdings soll der Weg nicht einfach zu finden sein und trotz einer guten Wanderkarte des
Institut Geographique National
im Maßstab 1:25.000 hatten wir ganz schön zu suchen, ehe wir den Beginn des Weges
erreichten, der eigentlich vom Fremdenverkahrsamt nicht mehr empfohlen wird, da er
teilweise über privaten Grund führt.
Plötzlich konnten wir an einer kleinen Mauer ein Zeichen ausmachen, das Steffen irgendwie
bekannt vorkam. Da war so ein kleiner Vogel hingemalt und mit den Worten Cascade du
Chaudron bezeichnet. Aber so richtig war kein Weg zu erkennen. Es ging durch ein
kleines Türchen, dann stand ein Haufen Gerümpel herum und alles endete an einer
zugewachsenen Mauer.
Die hatte aber doch einen kleinen Durchgang und nach ein paar Stufen ging es sofort nach
rechts weiter. Zuerst entlang eines Zaunes und dann immer an einer alten verrosteten
Wasserleitung entlang. Der Zustand der Leitung war zwar erbärmlich, aber gerade deswegen
konnte man seinen Durst eigentlich fast immer an irgendwelchen lecken Stellen löschen, wo
kleine Fontänen heraus spritzten. Der Pfad war sehr schmal, wobei man manchmal am Besten
direkt auf der Leitung lief. Links war der Berg und rechts ein tiefer Abgrund. Man bekam
einen ersten Eindruck von der Steilheit der Landschaft.
Nach ein paar Minuten kommt man zu einer Weggabelung, wobei man unbedingt dem rechten
Abzweig folgen sollte. Halt man sich aber links, muß man in einer Höhe von mindestens 10
Metern an einer Felswand entlang auf der Wasserleitung balancieren.
Das Ganze sah von unten ziemlich abenteuerlich aus, denn das früher bestehende Geländer
war durch Steinschlag schon fast völlig im Eimer. Also, liebe Wanderer, immer schön
rechts halten. Man steigt zwar in ein kleines Tal ab und muß in der Hitze auf der anderen
Seite wieder hinauf, aber was ist das schon gegen Streß, den die Ehefrau hat, wenn sie
die Risikolebensversicherung kassieren will! Auf der nassen gußeisernen Leitung ist man
schnell mal ausgerutscht und dann ist man im wahrsten Sinne des Wortes hinüber!
Durch dichten Wald geht es dann weiter und plötzlich kann man auch den Wasserfall ein
erstes Mal sehen. Ganz schön hoch! Er scheint direkt aus den Wolken herunter zu kommen.
Da müssen natürlich auch ein paar Fotos geschossen werden; damit verringert sich
natürlich das Gehtempo beträchtlich. Und an jeder Ecke sieht es noch eine Spur besser
aus! Leider kann man die bereits gemachten Fotos nicht rückgängig machen, denn es
mangelt noch an einer Digitalkamera.
Je näher man an den Wasserfall herankommt, desto gewaltiger wird er. Jetzt kann man auch
erkennen, daß rechts von ihm noch eine Kaskade herunter kommt, die nicht weniger hoch
ist, allerdings nicht wie in einem "Strich" herunter fällt. Der letzte Teil des
Wegs ist wieder etwas marode, das Geländer ist fast weg oder hängt verbogen in der
Weltgeschichte herum. Hier scheinen manchmal ein paar ganz schöne Brocken herunter zu
kommen. Also sehen wir zu, daß wir diese Stelle schnell hinter uns lassen. Dann liegt
auch schon ein erster Pool vor uns, der zum Bad einlädt. Als aber öfters mal ein
größerer Brocken von oben kommt und auf der Wasserfläche aufschlägt, lassen wir das
lieber und laufen bis zum Pool weiter, der sich unterhalb des großen Wasserfalls
ausdehnt. Aber auch hier fallen von den etwas überhängenden Wänden ab und zu größere
Steine ins Wasser und wir suchen uns einen sicheren Platz fürs Picknick. Das Schwimmen
lassen wir lieber ganz!
Nach einer halben Stunde machen wir uns wieder auf den Rückweg, der ungefähr eine Stunde
dauerte.
Tipp: Für die reine Wanderung muß man gut 2 bis 2 ½ Stunden
ansetzen. Mit ein paar Stopps und eine längeren Rast an der Cascade ist man dann auch
schon vier Stunden unterwegs. Aber für ein erstes Kennenlernen der Natur Reunions ist es
genau der richtige Einstieg.
Vom Chef des Hotels "Les Mascareignes" erhielten wir den Tipp, anstelle der
Cascade du Chaudron die Cascade Maniquet zu besuchen. Diese liegt oberhalb des Orts La
Brûlé auf dem Weg zum Parkplatz für den Aufstieg zur La Roche Écrite. Aus Zeitgründen
konnten wir diese Tour, die laut Karte wesentlich kürzer aussieht, aber nicht machen. |
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| Cap Noir |
Auf dem Weg von Saint Denis zu unserer Ferienwohnung in
Petit Ile wollen wir noch einen kurzen Abstecher in die Berge machen. Ziel ist das Cap
Noir unweit der kleinen Ortschaft Dos d'Âne, das man über die Landstraße D1 von Le Port
aus erreicht.
Hier gibt es einen kleinen Parkplatz, wo man das Auto stehen lassen kann, wenn man denn
einen Platz ergattern kann. Wer Pech hat, muß sein Auto halt etwas weiter unten stehen
lassen und bis zum Parkplatz laufen. Dann kann man den Rundweg zum Cap Noir starten.
Aber erst mal sollte man einen Blick in den Cirque de Mafate werfen. Das Panorama ist
bereits hier einfach überwältigend! Tief unter uns liegt die Rivière des Galets, eine
der größten Schluchten der ganzen Insel. Aber es soll noch besser kommen ...
Zuerst steigt man ein paar Holzstufen bergan, bevor sich der Weg teilt. Rechts geht es zum
Aussichtspunkt am Cap Noir und links zur Roche Verre Bouteille. Wir halten uns aber rechts
und steigen hinab zum Viewpoint, der in knapp 10 Minuten erreicht ist. Hier ist ein
kleiner Pavillon aufgebaut mit einer Informationstafel, die markante Punkte bezeichnet.
Man fühlt sich wie auf einer Kanzel - vorne geht es hunderte von Metern in die Tiefe. Und
das fast senkrecht! Wir lassen das Ganze eine Weile auf uns einwirken, ehe wir weiter
gehen. Links vom Pavillon führt ein schmaler Pfad weiter, der stellenweise schon ziemlich
zugewachsen ist. Rechter Hand geht es steil nach oben und links entsprechen heftig nach
unten! Fehltritte sollte man sich nicht leisten. An besonders steilen Stellen ist der Weg
allerdings durch Leitern und Seile gesichert.
Und selbst an einen Wachhund wurde gedacht, der das Passieren der schwierigen Stellen
beobachtete und sich zwischen unsere Füße drängelte, um noch etwas mehr Spannung in die
ganze Sache zu bringen. Nach einem letzten Anstieg ist dann der Umkehrpunkt an der Roche
Verre Bouteille erreicht. Dieser Felsen sieht aus wie eine Flasche - daher auch der Name.
Von diesem Punkt führt auch ein Teil der GR R2 weiter zur La Roche Écrite. Aber das sind
schon ein paar Kilometer und Stunden!
Wir biegen nach links ab, steigen noch ein paar Meter nach oben und dann geht es
eigentlich nur noch auf dem "Eselsrücken" nach unten. Die Sicht reicht vom
Cirque de Mafate bis hinunter ans Meer bei Le Port.
Einfach Gigantisch!!!
Die Wanderung ist in gängigen Führern mit 45 Minuten angegeben - ein Witz! Zwei Stunden
braucht man schon, um die Runde zu absolvieren. Und wenn man dann wieder am Parkplatz
angekommen ist, hat man eine der schönsten Panoramarouten auf Reunion erlebt. |
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| Morne Langevin |
Nachdem wir unsere Ferienwohnung in Beschlag genommen haben
planen wir eine erste Tour für den nächsten Tag. Wir wollen hoch zum Vulkan, eigentlich
um die Route etwas kennen zu lernen, die wir dann ein paar Tage später mitten in der
Nacht noch einmal fahren wollen.
Als Tagesziel wurde der Morne Langevin ausgesucht, der in einer etwa dreistündigen
Rundwanderung vom Parkplatz an der Plaine des Sables erreicht werden kann.
In Petit-Ile nehmen wir nicht die Küstenstraße, sondern fahren über die kleinen
Nebenstraßen D31 und D3 nach Le Tampon. Aufgrund der vielen Kurven kommt man da aber
nicht so recht vom Fleck, aber wiederum war die Fahrt durch die über 2 m hohe
Zuckerrohrplantagen und Reste von alten Gereanienfeldern recht abwechslungsreich. In Le
Tampon erreicht man dann die N3, die in einer Traverse quer über die Insel verläuft, am
Col de Bellevue ihren höchsten Punkt erreicht und im Osten in Saint-Benoît wieder die
Küste erreicht.
Im kleinen Ort Bourg-Murat am Kilometer 27 biegen wir nach rechts ab und befinden uns nun
auf der Route du Volcan (RF 5), die bis in eine Höhe von 2311 m zum Pas de Bellecombe
führt.
Aber bevor man den erreicht, gibt es noch allerhand zu sehen! Direkt an der Kreuzung
befindet sich linker Hand die Maison du Volkan, ein 1992 eröffnetes Vulkanmuseum, das
anschaulich weltumspannend und auch speziell über den Vulkanismus auf Reunion informiert.
Anfangs fährt man dann über Rinderweiden ständig bergan und durchquert auf steilen
Serpentinen einen Cryptomeriawald, der mit Picknickplätzen übersäht scheint. Hat man
dann erst mal die 2.000 m Marke geknackt, ändert sich die Landschaft und wird fortan von
kleinen Höhentamarinden und Büschen beherrscht. Am Aussichtspunkt Nez de Boeuf
("Rindernase") folgt dann der erste Hammer: Man steht direkt an der Kante des
Rivière des Remparts. Die Steilhänge fallen fast 1.200 m senkrecht in die Tiefe. Wir
haben Glück, denn es sind noch keine Nebel aufgezogen und so bleibt der Blick in diese
erste und älteste Caldera des Vulkans wolkenfrei. Vor den Gipfel des Piton de la
Fournaise haben sich aber schon dichte und regenreiche Wolken geschoben. Da wird heute
oben nicht mehr allzu viel zu sehen sein.
Die Straße verläuft jetzt in einem großen Bogen zuerst nördlich und dann südlich
immer weiter bergan. Am Krater "xxxxxxxxx" lohnt sich noch ein kurzer Stopp. Von
einer Aussichtsplattform kann man tief in den alten Krater hinunter schauen. Man sollte
man schon etwas schwindelfrei sein, denn der "Balkon" scheint über dem Krater
zu schweben, der in einem satten dunklen Rot leuchtet. Dann liegt auch schon die nächste
große Caldera des Piton de la Fournaise vor uns: Die rotbraun leuchtende Sandebene der
Plaine des Sables! Ab und an leuchten richtig orangene Stellen in dieser Wüste. Hier
zweigt auch der Wanderweg zum Morne Langevin ab, aber wir wollen es doch noch wissen und
fahren weiter bis zum Pas de Bellecombe. Zuerst windet sich die Straße auf einigen
Serpentinen steil nach unten in die zweite, vor 40.000 Jahren entstandene Caldera.
Ungefähr 150 Höhenmeter tiefer fahren wir dann über eine rot-orangene Sandpiste weiter
durch die Sandebene. Das Wetter macht immer weiter zu und von den umliegenden Bergen kann
man so gut wie nichts mehr erkennen. Am Paß angekommen ist alles wolkenverhangen. Selbst
der Blick hinunter in den Riesenkrater des Piton de la Fournaise bleibt uns verborgen.
Also fahren wir wieder zurück bis zum Ausgangspunkt der Wanderung zum Morne Langevin.
Dort lassen wir den Polo stehen und machen uns auf die Socken. Das Wetter ist trübe und
der Vulkan zeigt sich überhaupt nicht von seiner schönsten Seite. Außerdem ist der
Rundwanderweg geschlossen; man darf nur den links an der Abbruchkante zur Plaine
des Sables führenden Teil begehen. Dafür bessert sich das Wetter und ab und an kann man
sogar den Gipfel des Vulkans durch die Wolken schimmern sehen. Direkt am Morne Langevin
(2.403 m) steht ein kleiner Vermessungspunkt, der kaum zu verfehlen ist. Der Vulkan
präsentiert sich jetzt in seiner ganzen Pracht! Aber es kommt noch besser. Man kann noch
ein paar Meter weiter laufen und steht dann urplötzlich an der Abbruchkante zum Revière
Langevin. Die Wände fallen hier fast senkrecht 1.200 m in die Tiefe ab. In der Ferne kann
man deutlich die Küste zwischen den Orten Saint Philippe und Saint Pierre sehen.
Dazwischen wabern immer wieder Wolkenfetzen von unten herauf. Der Gipfel des Vulkans
wechselt alle paar Minuten sein Aussehen. Mal liegt er im prallen Sonnenschein, dann ist
er wieder wolkenverhangen. Nach einer Brotzeit machen wir uns wieder auf den Rückweg und
erreichen in einer reichen Stunde unser abgestelltes Auto.
Für heute soll es reichen!
Auf der Terrasse unserer Wohnung lassen wir es uns dann bei Fischer-Bier, Rhum-Punsch und
einem leckeren Abendessen mit frischen Scampi gut gehen. |
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| Réunions Ostküste |
Nach den Wanderungen der letzten Tage steht heute mal wieder
etwas anderes auf dem Plan: Mit dem Mietwagen wollen wir entlang der Ostküste bis hoch
nach St-Benoît fahren und dann über die Traverse zurück nach St-Pierre und Petite Ile.
Da braucht man natürlich nicht so zeitig aufbrechen und so lassen wir uns richtig Zeit
für das Frühstück. Über St-Joseph fahren wir Richtung Osten über die N2. Der erste
Punkt ist der Pointe de la Table mit den Puits Arabe. Die Ostküste ist dem
Südostpassatwind schutzlos ausgeliefert und die Wolken stauen sich am Massiv des Piton de
la Fournaise. Also regnet es hier auch öfter Mal. Zusammengenommen können das bis zu
5.000 mm pro Jahr werden. Auch ist es das richtige Klima für die Vanille, die der Insel
auch ihren einstigen Namen, Ile Bourbon, gab. Aber es ist keine Erntezeit und laut
Reiseführer kann man sich den Besuch der Vanille-Kooperative sparen, denn dann wird dort
nicht gearbeitet.
Am Pointe de la Table bildete sich 1986 beim großen Ausbruch des Vulkans innerhalb einer
Woche eine 25 ha große neue Landfläche. Heute kann man hier einen 3 km langen
Rundwanderweg wählen, der in 1½ Stunden über die Pointe de la Table führt. Aber wir
belassen es bei einem Kurzbesuch an der Steilküste, an die ständig große Wellen
krachen. Die Szenerie erinnert an den Volcanoes Nationalpark auf Big Island (Hawaii). Die
Puits Arabe, der Araberbrunnen, sind ein in Basalt gehauener alter Brunnen, der im 8. oder
9. Jahrhundert von arabischen Seefahrern in den Basalt geschlagen wurde.
Die nächsten 10 Kilometer fährt man durch eine Landschaft, die den Namen Le Grand
Brûlé, das große Verbrannte, trägt. Hier sind in regelmäßigen Abständen Lavaströme
bis hinab ins Meer geflossen und der Krater des Piton de la Fournaise ist an dieser Stelle
zum Meer hin quasi offen. Wir haben genug Zeit, uns das Ganze anzusehen, denn ein
Platzregen zwingt uns, eine kleine Pause einzulegen. Die Scheibenwischer haben das viele
Wasser nicht mehr geschafft! Die Kontraste der Farben sind schon Spitze: Das Grün der
Vegetation, das Schwarz der Lava und das tiefe Blau des Meeres, über dem sich weiße
Wolken türmen. |
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| Cirque de Mafate |
| Cilaos - Marla |
Mit dem Bus fahren wir von Petit Ile über St. Pierre nach Cilaos. Die kurvenreiche
Strecke ist uns bereits bestens bekannt, denn mit dem Mietwagen sind wir die
400-Kurven-Tour schon einmal gefahren.
Aber mit dem Bus wird das Ganze noch eine Spur abenteuerlicher: Stellenweise wird dem
Gefährt fast das Dach abrasiert und Serpentinen können nur durch Zurücksetzen
gemeistert werden. In engen Tunnels werden natürlich die Spiegel eingeklappt, um
überhaupt hindurch zu passen.
Aber die Fahrer verstehen ihr Handwerk! Souverän gelenkt kommt der Bus in Cilaos an. Hier
erwischen wir auch den Bus nach Ilet a Cordes. Wir bitten den Fahrer, uns am Beginn des
Trecks zum Col du Traïbit abzusetzen. Das heißt, wir fuchteln mit Händen und der
Landkarte herum und hoffen, daß er uns versteht.
Als er ausgangs Cilaos den uns schon bekannten Weg nimmt, ist für uns die Welt in
Ordnung.
Das allgemeine Zeichen, den Fahrer zum Anhalten zu bewegen, ist ein deutlich hörbares
Händeklatschen. Zu dem Zeitpunkt wissen wir das aber noch nicht und machen uns halt durch
lautstarkes Rufen bemerkbar. Der ganze Bus grölt, aber wir können aussteigen.
So haben wir schon mal mindestens 6 km gespart, die wir sonst mit der vollen Ladung auf
der Straße hätten laufen müssen. Den Tipp bekamen wir übrigens von Alain, dem
Vermieter unserer Ferienwohnung in Petit Ile, der auch ein leidenschaftlicher
Outdoor-Freak ist. Die Busse fahren eigentlich immer dann, wenn einer aus St. Pierre
kommt. Man braucht also keinen Fahrplan.
Vor uns liegt nun der Aufstieg zum Col du Traïbit, dem 2081 m hohen Übergang in den
Cirque de Mafate. Das sind also 800 Höhenmeter!
Ungefähr bei Halbzeit passieren wir den kleinen Weiler Ilet des Salazes. Hier kann man
sich bei Bedarf etwas ausruhen und es gibt auch ein paar Kleinigkeiten zu kaufen.
Von einem 400 m entfernten Viewpoint hat man einen schönen Blick über den Cirque de
Cilaos. Der Pfad dahin ist gut markiert und führt über eine Terrasse durch kleine Felder
hindurch. Steffen verzichtete auf den Abstecher und ruhte sich lieber etwas aus. Denn so
richtig hat er auch nichts verpaßt, hat man doch immer wieder bereits vom Weg aus schöne
Blicke zurück auf den Talkessel des Cirque.
Nach zwei Stunden stehen wir dann oben auf dem Paß. Es zogen zwar etwas Wolken auf, aber
die Berge blieben ansonsten frei. Trotz der Wolken reicht die Sicht bis hinunter zum blau
schimmernden Meer.
Für den Abstieg bis hinunter nach Marla waren zwanzig Minuten angegeben. Diese
Wunschvorstellung haben wir aber nicht einhalten können. Da hätte man schon rennen
müssen!
Es dauerte schon fast eine Stunde, bis wir es geschafft hatten. An einer Bar genehmigten
wir uns erst mal ein Bourbon-Bier. Das hatten wir uns jetzt wahrlich verdient.
Dann gingen wir hinüber zur Gite. Der Chef studierte unseren Zettel und gab schließlich
ein Doppelzimmer frei! Nach dem Duschen gingen wir noch auf ein kühles Blondes und
strömten dann zusammen mit den Anderen zum Essen. Das fand in der "Dorfdisco"
statt, ein großer Speiseraum, der noch von der Silvesterfeier dekoriert war.
Vorspeise waren Kartoffelpuffer mit Chou-Chou-Gemüse, dann gabs Reis mit Linsen und
Wurstcarri. Und zum Abschluß Bananenkuchen. Als Getränke Wasser wie es eigentlich in
Frankreich üblich ist und eine Flasche Pflaumenwein.
Wir konnten uns mit den Tischgenossen prima unterhalten - mit Händen und Füßen versteht
sich! Also nicht ganz, es saß ein Luxemburger mit am Tisch, der dolmetschen konnte... |
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Gesamt |
| Höhenmeter im Aufstieg |
800 m |
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| Höhenmeter im Abstieg |
400 m |
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| Distanz |
6,5 km |
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| Marla Roche Plate |
Türenklappern läutet um 6:30 das Ende der Nacht ein. Das nervt den Steffen
natürlich gleich. Seit gestern abend um 21:00 Uhr hat er ja auch erst 9 ½ Stunden
geschlafen. Um 7:15 gibt es Frühstück und bereits eine Stunde später marschieren wir
talauswärts. Immer schön bergab geht es jetzt. Da merkt man den mäßig schweren
Rucksack kaum.
Marla verschwindet bereits nach wenigen Gehminuten. Wir wandern gemütlich eine Schlucht
nach unten und müssen dort einen Bach überqueren. Die Steine sind relativ glitschig und
man muß schon aufpassen, nicht hinein zu fallen. Aber mit den Stöcken kann man sich
immer etwas abstützen und so geht es schon.
Trockenen Fußes auf der anderen Seite angekommen, können wir den Nächsten zusehen, die
sich etwas abmühen. Da hat man eben gut lachen. Dann geht es locker weiter bis wir etwa
die halbe Wegstrecke zurück gelegt haben.
Wir werden von einer kleinen gelben Katze begrüßt, die sich sogleich an unsere Fersen
heftet um etwas Futter zu schnorren. Aber da wir selbst nichts haben kann sie natürlich
auch nichts bekommen und so wendet sie sich Anderen zu. Hier in "Les Trois
Roches" machen wir wie fast alle eine Rast am Wasserfall, der donnernd in eine tiefe
Schlucht stürzt.
Nach einer halben Stunde gehen wir hoch motiviert weiter und müssen erkennen, daß es
auch mal wieder nach oben geht. Und das nicht zu knapp. Etwa 200 Höhenmeter sind zu
bewältigen, was wieder eine halbe Stunde Aufstieg bedeutet. Steffen läßt etwas die
Mundwinkel hängen ...
In praller Tropensonne geht der Weg jetzt immer schön auf und ab. Der Cirque de Mafate
liegt immer rechter Hand. Aber nach fünf Stunden sehen wir die Häuser von
"Downtown" Roche Plate vor uns liegen. Noch eine Viertelstunde und wir sind
unten.
Ein trostloseres Kaff habe ich noch nirgends gesehen. Natürlich nach meinen eigenen
Maßstäben gesehen. Aber die dort lebenden Menschen lieben es sicherlich als ihre Heimat,
denn sonst würden sie sicherlich nicht dort bleiben.
Die eine Boutique hat zu, die andere hat kein Bier. Denn ein solches hätten wir gerne
getrunken. Wir müssen zwei Stunden warten, bis die Erstgenannte öffnet und dann gibt es
kein Halten mehr. Gleich drei Biere werden getrunken und ein Viertes nehmen wir noch mit.
Man kann ja nie wissen. Nachdem wir am frühen Nachmittag schon mal vergebens bei der
Hüttenwirtin waren steigen wir wieder hinunter. Diesmal ist das Tor offen und wir finden
Gehör. Aber die auf unserem Zettel stehende Unterkunft ist eine andere und wir müssen
wieder hoch. Pech gehabt! Also gehen wir zu der angegebenen Unterkunft und legen dort
unseren Zettel vor.
Man behauptet aber das es sich bei der Unterkunft um eine private Hütte handelt. Wir
können gerne zu Abend essen aber unser Gutschein kann nicht angenommen werden. Also
nehmen wir erst mal das Angebot des Abendessens an und Steffen trabt noch mal nach unten
zu Mme. Robert. Die ist nun aber wieder nicht aufzufinden. Schwitzend kommt er nach oben
und hat endlich die Nase voll! Ich auch!
Also gehen wir wieder zu dem Halsabschneider und bezahlen auch noch die Übernachtung.
Unser Guthaben in Euro schwindet beträchtlich. Das waren nicht eingeplante 28 Euro.
Und der nächste Geldautomat ist noch weit. Vor Hell-Bourg werden wir keinen finden. Auf
jeden Fall werden wir versuchen, das Geld in St. Denis bei der Maison de la Montagne
wieder einzutreiben, denn wir haben ja noch den nicht eingelösten Gutschein.
Und was bringt uns das Abendessen? Dreimal darf geraten werden! Wurst-Carri mit den
typischen Zutaten, als Nachtisch Pudding und leider keine Flasche Wein. Aber wir schleppen
ja den Jim Beam noch mit uns herum und die zwei vorher gekauften Flaschen Bier der Marke
Bourbon sind auch noch da. Gut daß wir diese in der anderen Boutique gekauft hatten, denn
die zur Hütte gehörende Boutique ist biermäßig im Eimer. Der gute Wirt wartet auf die
Lieferung per Helicopter ...
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Gesamt |
| Höhenmeter im Aufstieg |
300 m |
1.100 |
| Höhenmeter im Abstieg |
800 m |
1.200 |
| Distanz |
12,0 km |
18,5 km |
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| Roche Plate La Nouvelle |
Heute klappern um halb Sieben noch keine Türen. Also bleiben wir noch eine ¾ Stunde
liegen und bekommen dann 7:30 unser Frühstück. So ein Menü kostet um die 4-5 Euro und
ist sein Geld selten wert. Aber was macht man nicht alles, wenn man nicht jeden Keks
mitschleppen will.
Nach dem "Abflug" nehmen wir Kurs Richtung La Nouvelle und sind mit dem ersten
Teil des Weges auch recht zufrieden. Die Sonne lacht und die Stimmung ist gut. Dann liegt
natürlich wieder ein tiefes Tal vor uns, das so etwa 500 m Abstieg und 650 m Aufstieg
bedeutet. Gegenüber kann man die gesicherten Serpentinen sehen, die sich steil nach oben
winden.
Das Tal nennt sich Riviere des Galets und ist eine der mächtigsten Schluchten der
gesamten Insel!
Aber erst mal sind die 500 Höhenmeter im Abstieg zu meistern. Einige Stellen sind schon
etwas exponiert und man muß etwas Obacht geben. Ein Ausrutscher könnte fatale Folgen
haben. Dann stehen wir nach einer Stunde unten am Fluß im Riviere des Galets und suchen
nach einer Furt. Aber wir haben Glück, denn ein Guide ist mit seiner Gruppe vor uns dort
und wir brauchen ihnen nur nachzulaufen. An einer blöden Stelle im Fluß ist er uns genau
so hilfreich wie seinen eigenen Leuten. Fanden wir irgendwie gut, wenngleich er in Sachen
Schuhwerk nicht gerade ein Vorbild ist! Badelatschen tun es auf diesem Teil der Erde wohl
auch...
Wir halten uns aber nicht allzu lange da unten auf, sichten aber noch einen schönen
Badepool, den wir morgen mal testen wollen, wenn wir einen Teil des heutigen Wegs in
entgegengesetzter Richtung zurücklegen müss(t)en.
Jetzt geht es aber heftig nach oben. Bevor wir oben ankommen werden sind 650 m Höhe zu
bezwingen. Man hört zwar ständig irgend einen Wasserfall rauschen aber an das wertvolle
Naß kommt man nur zweimal heran.
Der Aufstieg ist zwar anstrengend, aber man wird die gesamte Zeit von einem fantastischen
Panorama begleitet. Um 12:00 Uhr haben wir das Plateau erreicht und müssen an einem
Wegweiser bestürzt lesen, daß der für morgen geplante Weg gesperrt ist. So ein Pech!
Aber erst mal laufen wir in den Ort und können erleichtert einen offenen Kiosk orten. Da
wird doch wohl ein Bourbon zu kriegen sein. Oder nehmen wir lieber ein Fischer? Ist ja
auch egal Hauptsache es ist kalt! Und da werden wir natürlich nicht enttäuscht.
Später machen wir noch eine Brotzeit und ich frage den Bergführer nach Möglichkeiten,
wie wir doch noch nach Ilet a Bourse kommen können.
Und da bleibt dann tatsächlich nur einer übrig: Hoch zum Col des Boeufs und dann über
den Sentier Scout zur Gite. Bei dem Wetter das wir heute haben kann das kein Problem
darstellen. Wie heißt es doch so schön: "Wenn Engel reisen..."
Um 15:00 Uhr können wir in unsere Hütte einziehen und werden wiederum angenehm
überrascht. Zwar ein Vierbett-Zimmer, aber wir müssen es mit niemandem teilen. Und was
gibt es zu Abend? Na siehe Vortag. Dazu den Rest vom Jim und in einem unbeobachteten
Moment krallen wir uns die Flasche mit leckerem Rumpunsch, der auf dem Tisch stehen
geblieben war, und schenken uns noch einen ein. Bezahlt war er mit dem Abendessen ja
schon.
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Gesamt |
| Höhenmeter im Aufstieg |
700 m |
1.800 m |
| Höhenmeter im Abstieg |
500 m |
1.700 m |
| Distanz |
6,0 km |
24,5 km |
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| La Nouvelle Ilet a Bourse |
Nach Frühstück und dem üblichen Herumgemähre können wir 8:45 endlich losziehen.
Das Wetter ist noch prima und nach ein paar Fehlversuchen ist schließlich der richtige
Weg gefunden. Vor uns liegt der Col des Boeufs. Leider verschlechtert sich das Wetter, die
Planken sind glitschig und die Aussichten trübe. Kaum hat man die Regenjacke übergezogen
hört es auf und man beginnt zu schwitzen. Also Jacke aus und das Spiel beginnt von vorne.
Aber bald stellt sich ein stabiler Zustand ein: Es gießt wie aus Kübeln! Bevor wir dem
verschlammten Sentier Scout betreten, kaufen wir noch schnell eine Cola und ergeben uns in
unser Schicksal. Die nächsten 9,5 km begleiten uns Schlamm und Regen, Regen und nochmals
Regen.
Aber wir sind nicht die einzigen Wagemutigen, die diesen Weg einschlagen.
Der schmale Pfad windet sich am Hang entlang ständig nach unten, ehe es mal wieder
"aufwärts" geht, wobei aufwärts in diesem Sinne nur ein Verändern der Höhe
aber nicht eine Verbesserung der Stimmung oder aber eine Wetterverbesserung bedeutet. Denn
regnet es mal nicht so stark, dann tropft es eben von den Bäumen herunter. Der ganze Wald
ist nichts anderes als ein gigantischer Wasserspeicher!
Da kann man schon von einem Regenwald sprechen.
Zum höchsten Punkt des Weges hin passieren wir einen Grat, der nur etwa drei Meter breit
war. Links und rechts stand das verkrüppelte Gebüsch nicht nebeneinander sondern
übereinander. Es geht an beiden Seiten sicherlich mehr als hundert Meter senkrecht
hinunter. Wie tief kann man eigentlich nicht abschätzen, denn man kann den Grund nicht
erkennen. Alles liegt im Dunst von Nebel und Wolken verborgen. Außerdem ist es gar nicht
so schlecht wenn man das Ende nicht erkennen kann ...
Nach dieser Engstelle geht es dann eigentlich nur noch bergab, mal steiler und mal wieder
weniger steil. Trotzdem muß man gut aufpassen, um auf dem glitschigen Weg nicht
auszurutschen. Nachdem wir noch einen Tamarindenwald durchquert haben, ist bald die Höhe
von Ilet a Bourse erreicht. Aber auch eben nur die Höhe, da dazwischen wieder ein
mindestens 100 m tiefes Tal liegt. Also geht es erst mal auf Serpentinen steil die 100 m
hinunter. Gegenüber kann man den Weg erkennen, den man wieder mühsam nach oben muß. Die
letzten 15 m bleiben uns allerdings erspart, denn eine Hängebrücke, die einen
grundsoliden Eindruck macht aber dennoch nur einzeln betreten werden darf, überquert die
Schlucht an ihrer tiefsten Stelle.
Ilet a Bourse liegt dann letztendlich auch nur auf einer Höhe von 850 m. Aber in Auf- und
Abstieg ist heute doch eine ganze Menge zusammen gekommen. Um 15:00 können wir unser
Quartier beziehen und um 17:00 schifft es immer noch, jetzt aber etwas weniger und ich
beschließe, einen "Supermarkt" zu suchen.
Die Bar des Ortes hat dann auch geöffnet und von einem etwas finster dreinblickenden
Typen kann ich zwei Bier bekommen. Die nehme ich erst mal mit um die Stimmung anzukurbeln.
Natürlich werde ich auf den paar Metern zurück wieder naß. Oder bleibe es das
kann man nennen wie man will.
Wie sagt man doch so schön: "Bei dem Wetter jagt man keinen Hund vor die
Tür...". Aber selbst bei dem Wetter sieht man draußen drei triefende Gesellen
dieser Gattung auf ein Schnäppchen warten. Aber bei uns gibts nichts zu holen. Wir
haben selbst Kohldampf. Aufgrund der unplanmäßigen Bezahlung der Unterkunft in Roche
Plate reicht es heute nicht mehr zu dem obligatorischen Wurst-Carri. Und auch das
Frühstück morgen wird wohl ausfallen. Einen Teil des restlichen Geldes legen wir, so
denke ich, gut in der Bar an, denn eine Flasche zu 1,70 Euro ist für diesen abgelegenen
Teil des Cirque de Mafate ein guter Preis.
Mit jeweils drei Bieren geben wir uns die Kante! Gemütliches Schnarchen läßt den ersten
richtigen Regentag ausklingen. Es blieb aber auch der letzte!!!
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Gesamt |
| Höhenmeter im Aufstieg |
600 m |
2.400 m |
| Höhenmeter im Abstieg |
1.100 m |
2.700 m |
| Distanz |
15,5 km |
40,0 |
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| Ilet a Bourse Hell-Bourg |
Halb Sieben ist die Nacht mal wieder vorbei. Das Camp beginnt sich zu regen: Türen
klappern, Husten, Niesen, aber ein erster Blick auf den Himmel läßt Gutes erahnen. Die
Sonne scheint! Als wäre gestern überhaupt nichts gewesen. Da wir ohnehin kein Geld für
Frühstück haben, beeilen wir uns los zu kommen. Denn die meiste Zeit des Tages wird es
heute nach oben gehen.
Auch weiß man ja nie wie sich das Wetter entwickeln wird. Und was man hinter sich hat das
braucht man nicht im Regen zu laufen. Nach einem Müsliriegel kann es losgehen! Die ersten
9,5 km laufen wir in entgegengesetzter Richtung wie am Tag vorher. Nur heute werden wir
von einem atemberaubenden Panorama begleitet. Die Luft ist klar und die Berge erstrahlen
in einem satten Grün in der Morgensonne. Allerdings kehren sich auch die Höhenmeter des
Vortags um. Was es gestern abwärts ging gehts heute eben hinauf. Nach gut drei
Stunden sind wir wieder an der Straße. Frühmorgens kommen uns nur auf den letzten Metern
Leute entgegen. Die ersten 2 Drittel des Weges haben wir ihn für uns alleine. Selbst die
Aussichtskanzel am Cap Noir kann man mit bloßem Auge erkennen.
Auf der Straße geht es dann nur noch abwärts bis in den ersten Ort des Cirque de
Salazie. Aber es dauert auch seine Zeit! Unten können wir aber gleich ein Bier erstehen
und von zwei Franzosen erfahren wir, daß man nach Hell-Bourg auch von hier aus mit dem
Bus fahren kann. Die Fahrt geht nach Salazie und dort muß man in den nächsten Bus nach
Hell-Bourg steigen. Der steht auch schon dort, ist aber bereits voll. Also Teil 1 gelang,
Teil zwei geht dafür gründlich in die Hosen. Der Fahrer ist nicht ums Verrecken dazu zu
bewegen, die Strecke vielleicht zweimal zu fahren. Immerhin hätte er die zweite Fahrt mit
vier Personen so gut wie voll gehabt. Aber vielleicht hatten wir auch die falsche
Hautfarbe: Vier Weiße und ein kreolischer Fahrer...
Wenn wir nicht auf den nächsten Bus in 4 ¾ Stunden warten wollen müssen wir wohl in den
sauren Apfel beißen und laufen. Also auf gehts! Der soeben benutzte Bus fährt
wieder in die Gegenrichtung und gegen ein geringes Entgelt, sprich den normalen Fahrpreis,
fahren wir wieder drei Stationen mit und haben schon einmal 3 km gespart. Dann kann es
losgehen. Immer schön bergauf und immer schön in der prallen Nachmittagssonne. 30°C und
kaum Schatten! Aber nach 1¾ Stunden ist der Spuk vorbei. Ich denke aber, daß wir
insgesamt doch ein paar Kilometer gut gemacht haben, denn der direkte Weg nach Hell-Bourg
wäre auch ganz schön lang geworden.
Wir sind wieder auf 950 m Höhe angelangt und haben zum Abschluß des Tages noch einmal
500 Höhenmeter auf der Straße absolvieren dürfen. Aber morgen ist ja ein Ruhetag: Da
werden keine unnötigen km herunter gespult. Und die Urlaubskasse können wir ja an einem
der zahlreich vorhandenen Geldautomaten wieder aufbessern...
Das Hotel LOrchidee Rose ist in der "Downtown" auch schnell gefunden und
wir können unser Kellerverlies beziehen. Das Bad ist ganz o.k. und der Rest sollte für
die Nacht auch reichen. Das Bett ist so weich wie ein Wackelpudding. Also muß sicherlich
etwas für die Bettschwere getan werden. Zum Aufhalten ist das Ganze recht wenig geeignet.
Das Bezahlen einer zweiten Übernachtung hat auch sofort zu erfolgen. Der Sohn der
Eigentümerin drängt mit der Kreditkartenratsche noch als vierte Person ins winzige
Zimmer und will den Zaster schon haben ehe die Rucksäcke den Boden berühren. Er hat wohl
Angst, wir könnten das winzige fensterlose Zimmerchen durch die Lüftungsschlitze
verlassen und die Zeche prellen. Dabei ist die erste Nacht ja ohnehin schon bezahlt
gewesen! Aber der Mann wird von uns aus dem Zimmer gedrängt und die Bezahlung erfolgt
dann vor der Tür.
Nach Dusche und Aufhängen des gesamten nassen Inhalts des Rucksacks besuchen wir dann ein
Bar: Wegen der Bettschwere, versteht sich ...
Im gegenüber liegenden "Ti´Chouchou" ist auch noch ein Tisch für das
Abendessen frei. Geld haben wir noch einen Geldautomaten gibts aber nicht im
Ort, also muß mal wieder die gute alte Mastercard herhalten. Anstelle Wurstcarri kommen
heute Pouletcarri und Poulet a la Vanille auf den Tisch. Das gesamte Menü kosten 16 Euro
pro Nase und hat lecker geschmeckt. Ob es die Ursache der später auftretenden
Verdauungsprobleme ist kann hinterher nicht bewiesen werden.
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Gesamt |
| Höhenmeter im Aufstieg |
1.300 m |
3.700 m |
| Höhenmeter im Abstieg |
100 m |
2.800 m |
| Distanz |
21,5 km |
61,5 km |
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| Piton des Neiges |
| Hell-Bourg Caferne Dufour |
Nach einem Ruhetag mit Gewitter, Stromausfall und viel viel Regen machen wir uns vom
Acker! Vom restlichen Geld kaufen wir schnell noch ein paar Köstlichkeiten ein. Über
Preise wollen wir lieber schweigen. Oder nur so viel: Baguette und drei Dosen Thunfisch
für 6 Euro!
Dann geht es erst mal geschlagene drei Stunde nur noch bergauf. Zuerst führt der Pfad
durch den Bergwald sehr steil in vielen Serpentinen nach oben. Dann wird ein Plateau
erreicht, wo es etwas gemäßigter weiter geht.
Der Weg ist wahnsinnig naß, hat es doch auch gestern fast den ganzen Tag geregnet. Die
quer verlaufenden Wurzeln sind höllisch glatt und man muß gut aufpassen, nicht auf die
Nase zu fallen. Wir überqueren einen kleinen Fluß und dann ist es vorbei mit lustig!
Jetzt geht es erst richtig los.
Auf einen dreiviertel Kilometer Wegstrecke kommen jetzt 400 Höhenmeter! Die Höhenlinien
auf der Karte liegen fast übereinander. Man steht wie vor einer Wand und kann sich kaum
vorstellen, daß da überhaupt ein Weg nach oben führt.
Glücklicherweise verschwindet jetzt die Sonne hinter den vom Tal aufziehenden Wolken und
dadurch ist es, zumindest von der Temperatur aus, nicht mehr ganz so unerträglich.
Trotzdem werden die letzten Meter zu einer Tortur. Der Rucksack wird immer schwerer und
schwerer; man kommt nicht umhin, öfters mal stehen zu bleiben. Etwas sehnsüchtig schaut
man denen nach, die ins Tal absteigen. Aber die werden es heute abend auch spüren, denn
so steil bergab zu laufen ist auch kein Vergnügen.
Aber jetzt ist das Cap Anglais erreicht!
Auf den wenigen Kilometern, sollen es vielleicht 4 gewesen sein, ist ein Höhenunterschied
von 1.200 m bezwungen worden. Steffen ist als erster oben und als ich eintreffe entwickelt
sich folgendes Gespräch: |
| Matthias: |
Willst' nen Riegel? |
| Steffen: |
... |
| Matthias: |
Willst Du bissel Schokolade? |
| Steffen: |
... |
| Matthias: |
Willst Du was zu trinken? |
| Steffen: |
hm... |
| Matthias: |
In zwei Stunden sind wir oben! |
| Steffen: |
... |
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In den nächsten zwei Stunden herrscht dann auch "Funkstille". Es
fällt kein Wort mehr. Mein Bruder trabt in einem Abstand von 100 m hinter mir her.
Der Weiterweg bis zur Caverne Dufour ist dann aber eher eine leichte Wanderung. Die Sonne
ist weg und in einer Höhe zwischen 2.100 und 2.500 m ist es schön kühl.
Als wir an der Hütte ankommen, sind schon ein paar Wanderer da. Aber von Hell-Bourg aus
waren wir heute sicherlich die ersten.
Es dauert nicht lange und dann werden die Betten verteilt. Wir kommen in einem Raum mit 5
Etagenbetten für jeweils 3 Personen unter. Ich suche mir ein Bett in der Mitte aus und
Steffen das Untere. Noch haben wir die freie Auswahl.
Aber jetzt sind wir reif für ein Dodo. Das Bier kostet hier oben jetzt bereits 2,50
. Aber das ist uns scheißegal! Zusammen mit den mitgebrachten Köstlichkeiten
machen wir eine feine Brotzeit.
Gegen Abend reißt die Wolkendecke zum Tal hin auf und wir können den Piton de la
Fournaise sehen. Auch der Blick hoch zum Piton des Neiges ist frei. Und ganz in der Ferne
leuchtet eine riesige Haufenwolke rot in der untergehenden Sonne: Dort ist Mauritius!
Wir verzichten auf das Abendessen der Hütte und futtern unsere eigenen Vorräte. Geld
haben wir ohnehin keines mehr!
Dann ist es auch schon Zeit schlafen zu gehen, denn wir werden wohl gegen 4 Uhr aufstehen.
Aber tatsächlich sind wir bereits viel früher und auch viel öfter auf den Beinen! Die
sich bereits in Hell-Bourg abzeichnende Magen- und Darmschwäche schlägt jetzt voll
durch.
Da kann auch der schönste Sternenhimmel nicht trösten, den ich mir mitten in der Nacht
ansehen konnte. Denn den Weg von der Toilette zum Bett konnte man sich manchmal sparen ...
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Gesamt |
| Höhenmeter im Aufstieg |
1.700 m |
3.800 m |
| Höhenmeter im Abstieg |
0 m |
2.800 m |
| Distanz |
10,0 km |
71,5 km |
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| Caferne Dufour Piton des Neiges Cilaos |
Es kam wie es kommen mußte! Ausgerechnet heute war ich so schlecht drauf wie die
ganzen anderen Tage zusammen nicht: Schlecht oder fast gar nicht geschlafen - weiche Knie
- viel Gesch... - nichts gegessen und fast nichts getrunken.
Also mit anderen Worten: "Schwach wie Flasche leer", wie es damals Bayern
Münchens Trainer Giovanni Trappattoni so treffend bemerkte!
Nach den ersten Metern spüre ich eigentlich schon, daß das heute wohl nichts werden
wird. Mit der Taschenlampe in der Hand und als "Gepäck" nur den Fotoapparat und
meine Wetterjacke schleiche ich hangaufwärts. Alle anderen sind schon weit vor uns.
Steffen verliere ich auch bald aus den Augen. Der trägt natürlich heute ausnahmsweise
mal die Wasserflasche! Ohne einen Schluck Wasser würge ich zwei furztrockene Müsliriegel
hinunter und siehe da, gleich geht es etwas besser vorwärts.
Trotzdem geht es sehr mühsam weiter. Ich bin zwar nicht der Letzte, aber viel fehlt
nicht. Nachdem der Weg etwas flacher wird erhole ich mich wieder etwas. Dann zieht er
wieder steiler nach links hoch und endlich ist der Gipfelsattel erreicht. Ich bin so
kaputt daß ich nicht mal Zeit zum Fluchen finde!
Schließlich komme ich total fertig oben an! Steffen ist schon dort und reicht mir die
Wasserflasche. Ich leihe ihm dafür meine Regenjacke, die er als Windschutz um seine
nackten Beine schlingt. Er hat nämlich keine lange Hose mit und morgens 6 Uhr ist es auf
3.071 m Höhe ziemlich kalt.
Für die geschätzten 1¼ Stunden bis nach oben habe ich geschlagene 2 Stunden gebraucht.
10 Minuten vor Sonnenaufgang bin ich erst oben.
Der Sonnenaufgang ist dann eher etwas enttäuschend! Die Sonne kommt erst sehr spät
hinter einem riesigen Wolkenberg hervor.
Es sieht also auf keinen Fall so aus wie auf den Ansichtskarten, wo ein gelber Sonnenball
vor einem glutroten Himmel steht!
Wir machen noch ein paar Fotos und beginnen dann abzusteigen. Natürlich lassen wir den
offiziellen Weg links liegen und suchen uns statt dessen einen eigenen Weg über ein
Geröllfeld, der tatsächlich kürzer und schneller ist.
An der Hütte beschließen wir, noch eine längere Pause einzulegen, bevor wir nach Cilaos
absteigen. Mit einer heißen Tasse Tee und dem Rest der Baguettes können die
Lebensgeister wieder geweckt werden und 1½ Stunden später machen wir uns auf den Weg.
Vor uns liegen noch 1.200 Höhenmetern bis hinunter nach Cilaos. Es geht wieder extrem
steil hinunter. Aber diesmal können wir das Panorama in ganzen Zügen genießen! Cilaos
liegt zum Greifen nahe direkt unter uns.
Ab und zu kommen uns andere Wanderer entgegen, die den steilen Weg zur Caferne Dufour hoch
müssen. Sie sind bei den heute herrschenden Temperaturen nicht gerade zu beneiden. Aber
Mitleid ist fehl am Platz: Wir hatten einen ähnlichen Weg gestern auch aufsteigen
müssen. Gegen Mittag sind wir bereits unten, nachdem wir unterwegs noch mal kurz begossen
wurden.
Das gebuchte Hotel "Des Neiges" ist schnell gefunden und nach einem
erfrischenden Bad im Pool wird erst mal an einem Bankautomaten die Urlaubskasse
aufgefüllt und die klammen Klamotten zum Trocknen und Auslüften aufgehangen. Die Schuhe
finden auf dem Fensterstock Platz und schrecken alle Mücken des Tals ab. Abends geht es
noch mal auf die "Piste", spricht zum Abendessen, um die Akkus wieder
aufzuladen. Nach überwiegend kreolischer Küche leisten wir uns mal wieder richtiges
Fleisch: Entrecote mit grünem Pfeffer bzw. Roquefort werden geordert! |
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Gesamt |
| Höhenmeter im Aufstieg |
600 m |
4.400 m |
| Höhenmeter im Abstieg |
1.800 m |
4.400 m |
| Distanz |
12,0 km |
83,5 km |
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Tags drauf fahren wir mit dem Bus wieder hinunter nach St.Pierre, holen in Petit Ile
unser restliches Gepäck bei Alain ab und nehmen dann den "Car jaune" Express
Linie A nach St. Denis.
Dort übernachten wir wieder im kleinen aber feinen Hotel "Les Mascareignes" und
fliegen anderentags nachmittags nach Mauritius weiter. |
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