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Der Nil, Afrikas großer Strom läßt Oasen gedeihen und Kulturen entstehen. Ohne
ihn wäre Ägypten unbewohnbares Wüstenland. Noch liegt die Dämmerung wie ein kühler
Schatten über der Wüste nur die Rufe der Muezzins hoch auf den Minaretten stören
den Frieden. Die Vorboten der Sonne färben den Himmel ein, und schon bald wärmen ihre
ersten Strahlen den nachtkalten Fels des Tempels von Abu Simbel im Süden Ägyptens.
Unbeweglich schauen die Pharaonen über das Wasser; ihre versteinerten Gesichter bleiben
unberührt vom Zauber der frühen Stunde. Schon mehr als eine Million Male haben die
gewaltigen Ramses-Statuen die Sonne über dem Nil aufgehen sehen.
Gott der Fruchtbarkeit, gütiger Vater, König der Flüsse die Verehrung des Nils
ist grenzenlos wie sein Lauf. Gespeist von Wassern aus Ruanda und Burundi, durchdringt er
die Regenwälder Ugandas, fließt durch das Hochland von Äthiopien, bahnt sich seinen Weg
durch die Sümpfe und Steppen des Sudan. Und schließlich, auf dem Weg nach Norden,
durchquert er die Wüsten Ägyptens, bis er, zum Delta verzweigt, nach 6671 Kilometern
seine Fluten ins Mittelmeer entläßt.
Christen und Muslime leben an den Ufern des Nils, und die Stämme des östlichen Afrikas
opfern ihm wie einem Gott. Die wilden Tiere trinken von seinem Wasser, und zahllosen
Flußpferden, Krokodilen und Wasservögeln bietet er einen Lebensraum. Der Nil hat
menschliche Eingriffe wie Dämme und Kanäle ertragen. Zahllose Kriege wurden an seinen
Ufern ausgefochten.
Immer wieder wird dem Nil der Längenrekord unter den großen Strömen der Erde nachgesagt
auch wenn der Amazonas 79 Kilometer länger sein soll.
Doch was stört es den Göttlichen. Ohne ihn gäbe es kein menschliches Leben im
Wüstenland Ägyptens und Nordsudans.
Ohne ihn wäre die sagenhafte Entwicklung der pharaonischen Kultur vor 5000 Jahren niemals
möglich gewesen.
Auch heute blüht hier das Leben in bunten Farben: Frauen kommen an den Fluß, um Wasser
zu holen, Wäsche zu waschen oder die Kinder zu baden. Bauern treiben Ochsen und Dromedare
zum Wasserschöpfen um archaische Brunnen.
Fischer mit strahlend weißen Turbanen beladen ihre Felluken, und ihre glockenförmigen
Gewänder blähen sich im Wind wie die Segel ihrer Boote. Entlang des Flusses ducken sich
Lehmhäuser unter windschiefen Palmen.
Hinter Assuan rücken die Ufer des Nils wieder näher zusammen, üppig grüne Inseln
hemmen seinen Lauf. An dieser Stelle versuchte Ägyptens ehemaliger Präsident Nasser,
sich ein Denkmal zu setzen: den Assuan-Hochdamm. Die gewaltige Mauer staut den Nil zu
einem 500 Kilometer langen See, reguliert sein Steigen und Fallen und befreit Ägypten von
den Launen des Flusses. |
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