Jörn, Gunther und Steffen auf großer Abenteuertour ... Mit etwas Glück
konnten wir beim damaligen Reisebüro der DDR im Frühjahr 1985 eine PKW - Reise nach
Rußland buchen.
Anfang Juli liefen dann die Vorbereitungen auf Hochtouren . Jörn beschaffte als
Autoschlosser die nötigen Ersatzteile und wir anderen Teilnehmer legten einen
Proviantvorrat an , den wir in den kommenden 4 Wochen sicher brauchen würden. |
 |
 |
 |
| Start |
Am 19.07.85 gegen 20:00 Uhr ging es endlich los. Innerhalb einer Stunde
waren wir an der tschechischen Grenze bei Bad Brambach und nach "nur" 1 ½
Stunden Grenzprozedur durften wir passieren.
Schnell brachte uns der Trabant nach Prag und von dort auf gut ausgebauter Autobahn weiter
nach Brünn. Anschließend ging es Richtung Hohe Tatra. Unser Nachtquartier bezogen wir am
20.07.85 kurz vor der Russischen Grenze, nun bereits über 1000 km von zu Hause entfernt.
Am nächsten Morgen erreichten wir gegen 08:00 Uhr die slowakisch-russische Grenze. Der
Grenzübertritt war nach 3 Stunden geschafft. Im russischen Grenzgebäude war die
Touristinfo untergebracht und wir erhielten jetzt die notwendigen Unterlagen und
Benzingutscheine zur Weiterreise. Also auf gehts!
Auf katastrophalen Straßen durchquerten wir den Karpatenbogen und erreichten gegen 20:00
Uhr unseren ersten Etappenort Rovno in der Ukraine. |
 |
 |
 |
| Ukraine |
22.07.85: Startschuß zur Etappe nach Kiew. Den Start durchkreuzte aber
unsere 1. Reifenpanne. Innerhalb weniger Minuten war der Schlauch aber gewechselt und es
konnte endlich losgehen.
Die Etappe führte uns durch wenig abwechslungsreiche Landschaft durch die Ukrainische
Ebene in die Hauptstadt Kiew. Nach 5 Stunden waren wir da, fanden dann nach einstündiger
Irrfahrt den Campingplatz. Den Tagesabschluß bildete ein kurzer Bargang.
23.07.85: Bereits um 5 Uhr summte der Wecker und innerhalb kurzer Zeit befanden wir uns
auf dem Highway in Richtung Charkow, dem heutigen Etappenziel. Auf halber Strecke ereilte
uns unsere 2.Reifenpanne. Wieder mußte der Schlauch gewechselt werden. Ein ebenfalls
"gestrandeter" russischer Trucker pumpte uns mit dem LKW-Kompressor gleich den
Reifen auf, hatten wir doch keine Luftpumpe im Gepäck!
24.07.85: Heutiger Zielort war Rostow am Don. Es ging einmal ohne Panne ab. Von Charkow
kommend durchquerten wir das Donezbecken, eine wenig interessante Industrieregion der
Ukraine. Nach dem Check In im Motel unternahmen wir noch einen Stadtbummel und hielten uns
einige Zeit am Strom des Don auf. |
 |
 |
 |
| Kaukasus |
25.07.85: Jetzt näherten wir uns bereits dem eigentlichen Ziel des
Urlaubs. Der Kaukasus war in Pjatigorsk, dem Kurbad Südrußlands bereits nahe. Nach der
obligatorischen Irrfahrt fanden wir endlich auch den Campingplatz von Pjatigorsk. Am Abend
gab es noch Sekt in der Bar zur Einstimmung auf den ersten Höhepunkt der Reise ... Eine
Bustour in das Elbrusgebiet.
26.07.85: Um 08:00 Uhr fuhr der Bus vor und recht zügig ging es hinein in die Bergwelt zu
Füßen des Elbrus, des mit 5642 Metern höchsten Berges des gesamtem Kaukasus.
Nach 3 Stunden Fahrt stoppte unser Bus in Itkol. Von hier aus brachte uns eine Seilbahn in
3500 Meter Höhe und ein weiterer Lift bis auf 4200 Meter zum Elbrusplateau. Es bot sich
ein herrliches Panorama der verschneiten Berg- und Gletscherwelt. Ein für uns
"Ossies" ungewohnter Anblick.
Gegen 15:00 Uhr erfolgte die Rückfahrt nach Pjatigorsk. Am Campingplatz angekommen,
wollten wir für den kommenden Tag eine weitere Bustour buchen. Das hat allerdings nicht
geklappt und die Stimmung war etwas gedämpft ... Wir gingen in die Bar, aber der Bargang
half auch nichts! |
 |
 |
 |
| Frust |
27.07.85: Gammeltag - Da ja mit der Bergtour nichts wurde, beschlossen
wir auf ein Pferdgestüt zu fahren und einige Runden in Wildwestmanier auf einem
Pferderücken zu drehen. Für einen verkorksten Tag genau das Richtige. Nach einigen
Kilometern auf staubigen Wegen erreichten wir den Ort des Gestüts und kauften im Dorfshop
noch etwas ein. Wieder am Auto angelangt wartete schon der Dorfsheriff und wir wurden
"verhaftet" wegen Verlassens der vorgegebenen Autoroute.
Nach geraumer Zeit und mehreren Telefonaten des Sheriffs konnten wir aber wieder
weiterfahren. Per Seilbahn fuhren wir in Pjatigorsk angekommen auf den Hausberg des
Kurortes, den Maschuk.
Der Abend endete mit einem Saunagang auf dem Campingplatz. Wir schwitzten eine Stunde lang
unseren Ärger über den verlorenen Tag heraus.
28.07.85: Zweiter Versuch, um in die Hochgebirgsregion des Dombaitals zu gelangen. Von
deutschen Touristen hatten wir Karten für den Bustrip angeboten bekommen. Der Bus war
aber überbucht ... Kurzerhand wurden ein paar Stühle in den Gang gestellt, jedoch bockte
jetzt der Busfahrer. Wir mußten erneut zurückbleiben. Da uns der Pferderitt am Vortag
verwehrt blieb, fuhren wir jetzt zur Pferderennbahn, um etwas Abwechslung zu haben. Es war
aber nicht viel los ... Ein weiterer "gigantischer" Urlaubstag wurde bei Cognac
und Bier in der Bar des Campingplatzes beschlossen. |
 |
 |
 |
| Wladikavkaz |
29.07.85: Unser heutiges Fahrtziel war Wladikavkaz (Ordshonikidse), die
Stadt unmittelbar an den Ausläufern des Kaukasus. Während der ganzen Fahrt hatten wir
eine herrliche Sicht auf die schneebedeckten Berge. Auch der Elbrus zeigte sich in ganzer
Pracht. Nach dem Einchecken im Hotel "Vladikavkaz" buchten wir für den
Nachmittag eine geführte Tour mit eigenen PKW`s in die Berge.
Am frühen Nachmittag startete die 5 Autos starke Wagenkolonne zu diesem Ausflug. Wir
benutzten eine Mitfahrgelegenheit und ersparten unserem Trabi die Schotterstraßen oben in
den Bergen. Es ging die Terek-Schlucht entlang zu einem Hochplateau. Die Dörfer hier oben
waren alle von Wehrtürmen umgeben. Endpunkt der Tour war die "Totenstadt". Eine
Ansammlung von turmartigen Grabbauten, in denen Dank des Klimas die Toten schon
Jahrhunderte als Mumien liegen.
Nach dem Besuch der Totenstadt setzte sich der Konvoi wieder talwärts in Bewegung und wir
erreichten gegen 20:00 Uhr wieder das Hotel. Den Abschluß des Tages bildete ein
Restaurant- und Barbesuch im "Vladikavkaz".
30.07.85: Kurz vor der Abfahrt nach Jerewan (Eriwan) blieb noch Zeit für einen Blick vom
Balkon des Hotels hinüber zum Kasbeg (5033m). Wir befuhren heute die Grusinische
Heerstraße, die den Hauptkamm des Kaukasus in 2400 Meter Höhe überquert und dann nach
Tiflis führt.
Nach 40 km Fahrt legten wir in Kasbegi den ersten Tankstopp ein. Gratis gab es einen
herrlichen Blick auf den mit ewigem Eis bedeckten Kasbeg-Gipfel dazu. Faszinierend !!!
Der Trabi brachte uns anschließend auf einer gut ausgebauten Serpentinenstraße zum
Kreuzpaß in 2400m Höhe. Dort angekommen verließen wir den europäischen Teil Rußlands
und gelangten nach Georgien.
Rasant fuhren wir wieder hinab ins Georgische Tiefland und weiter nach Aserbaidshan. Es
wechselten sich Wüste und Steppe ab, um dann in Armenien wieder in grünes Umland
überzugehen.
Erneut ging es auf fast 2000 Meter , zum Sewanpaß, unserem Etappenort vor den Toren
Eriwans. Wir bezogen unser Quartier und genehmigten uns ein Bad in den eisigen Fluten des
Sewan-Bergsees. Das war vielleicht kalt! |
 |
 |
 |
| Eriwan |
31.07.85: Auf dem Tagesplan stand Eriwan (Jerewan), die Hauptstadt
Armeniens. Auf einer vierspurigen Autobahn waren wir schnell in Eriwan angelangt. Eine
eilig gebuchte Stadtrund fahrt erwies sich als "Luftnummer". Am Nachmittag
besuchten wir individuell die Tempelanlage von Garni und das Kloster Gekhard. Das war
schon besser. In der Ferne sahen wir die Silhouette des Berges Ararat (5600m), des
heiligen Berges der Armenier, der allerdings bereits auf türkischem Territorium steht.
Auf dem Rückweg neigte sich das Benzin dem Ende, Spritgutscheine lagen im Hotel am
Sewansee ... Perfekt!
Nach einigen Kilometern stotterte der Motor und es war "Sense". Vor dem
nächsten Anstieg bleiben wir stehen. Wir glaubten unseren Augen kaum ... Genau dort stand
ein Tankwagen mit Zapfpistole hintendran. Umgehend wanderten 5 Liter Treibstoff für ein
paar "Schwarzrubel" in unseren Kanister - Wir waren gerettet! Schnellstmöglich
fuhren wir weiter zum Sewansee und ließen den Tag mit einem Barbesuch ausklingen.
01.08.85: Kurze Etappe mit Umzug ins Hotel "Ani" in Jerewan. Wir machten einen
Stadtrundgang und besuchten am Abend den zentralen Platz mit den farbenprächtigen
Wasserspielen.
02.08.85: Besuch des Klosters Edschmiadzin, in dem eine Vielzahl alter armenischer
Kirchenreliquien aufbewahrt werden.
Überall gab es Gold und Edelsteine, wertvolle Teppiche schmückten die Wände der
Klosterkirche. Am Abend gab es einen Folkloreabend im Städtischen Opernhaus. Von unseren
Reisebegleitern als "Bargänger" bezeichnet, traute man uns solche Aktivitäten
garnicht zu. Nach dem Kulturevent gab es aber natürlich noch eine Flasche Sekt als
Absacker. |
 |
 |
 |
| Tiflis |
03.08.85: Fahrt via Sewansee mit "Badeaufenthalt" nach Tiflis.
04.08.85: Vormittags Stadtbummel in Tiflis und am Nachmittag Stadtrundfahrt in unserem
Trabant zusammen mit "Joe" - unserem Privatguide ... Das war vielleicht ein Typ.
Wir fuhren mit "Joe" verschiedene markante Punkte der Stadt an und mit der
Seilbahn ging es auch noch auf den Hausberg der Stadt.
05.08.85: Fahrt nach Gori, der Geburtsstadt von Stalin. Ein wenig "Rotlicht"
mußte halt auch im Urlaub sein. Wir besuchten in Gori das Stalinmuseum, in dem allerlei
Krimskrams den Personenkult des Diktators am Leben hielt. |
 |
 |
 |
| Schwarzes Meer |
06.08.85: Tagesziel Suchumi am Schwarzen Meer. Als 2. Auto verließen wir
Gori sehr zeitig, um noch etwas vom Tag in Suchumi zu haben. Gegen Mittag erreichten wir
die Hafenstadt am Schwarzen Meer. Es war ein schöner, aber ungewohnter Anblick , als am
Straßenrand und in den Parks überall Palmen standen.
Die Campingplatzsuche war unlösbar. Wir buchten ein Taxi als Navigator. Am Nachmittag war
Baden und der Besuch des Botanischen Gartens angesagt.
07.08.85: Fahrt Suchumi - Sotschi entlang des schwarzen Meeres mit Besuch des
Riza-Bergsees. Wir bezogen einen Wohnwagen im Hotelkomplex Dagomys.
08.08.85: Hubschrauberflug in die Berge
Ein Highlight des Urlaubs! Wir flogen ca. 20 Minuten in die Berge und landeten auf einer
Alm mit herrlichem Bergpanorama. Nachmittags nervige Stadtrundfahrt in Sotschi.
09.08.85: Strandtag mit Faulenzen und kühlen Getränken
10.08.85: Ruhetag mit Tennismatch |
 |
 |
 |
| Rückfahrt |
11.08.85: Heute ging es nach Krasnodar. Die ersten 150 km verliefen
entlang des Schwarzen Meeres. Als die Straße ins Landesinnere abbog, war der Urlaub
eigentlich gelaufen. Jetzt hieß es nur noch fahren , fahren , fahren und dies 3500 km bis
ins Sächsische Vogtland.
12.08.85: Fahrt nach Rostow am Don, wo wir wieder auf die Route der ersten Urlaubstage
trafen.
13.08.85: Rostow - Charkow (485 km) mit Dinner und Bargang.
14.08.85: Charkow - Kiew (530 km) mit Stadtbummel in Kiew.
15.08.85: Kiew - Lemberg (Lvov - 530 km) mit ausgiebigem Restaurantbesuch in Lemberg bei
Pilsner-Urquell.
16.08.85: Lemberg - Auerbach (1350 km) . Um 07:00 Uhr Ortszeit (05:00 MEZ) begann die
Mammuttour nach Hause. Bis zur slowakischen Grenze mußte der Trabi nochmals die
katastrophalen Straßen ertragen. Ergebnis dieser letzten Tortour war eine verbeulte Felge
und ein eingedrücktes Bodenblech. Grenzübertritt innerhalb ½ Stunde - Wahnsinn!
In der Slowakei angekommen , fühlten wir uns wie zu Hause, das aber noch fast 1000 km
entfernt war. Via Brünn, Prag und Karlsbad erreichten wir nach 22 Stunden Fahrt den
Grenzübergang Bad Brambach, den wir in nur 2-3 Minuten passiert haben.
Eine weitere Stunde später lag die letzte Etappe dieses Abenteuers hinter uns ... Jetzt
hieß es nur noch schlafen, um am Nachmittag die vielen Fragen der Freunde und Bekannten
ausgiebig beantworten zu können.
Es war ein echtes Abenteuer, welches wir drei Globetrotter zusammen mit der treuen
Rennpappe TRABANT - P601 erleben durften. |
 |
| Auszug aus dem Originalbericht von 1985 |
 |
| Reiseroute: |
| Auerbach - Russische Grenze |
1000 km |
| Russische Grenze - Rovno |
500 km |
| Rovno - Kiew |
450 km |
| Kiew - Charkow |
530 km |
| Charkow - Rostow |
485 km |
| Rostow - Pjatigorsk |
450 km |
| Pjatigorsk - Vladikavkaz |
460 km |
| Vladikavkaz - Sewansee |
200 km |
| Sewansee - Jerewan |
100 km |
| Jerewan - Tiflis |
250 km |
| Tiflis - Gori |
100 km |
| Gori - Suchumi |
350 km |
| Suchumi - Sotschi |
250 km |
| Sotschi - Krasnodar |
460 km |
| Krasnodar - Rostow |
290 km |
| Rostow - Charkow |
485 km |
| Charkow - Kiew |
530 km |
| Kiew - Lemberg |
540 km |
| Lemberg - Auerbach |
1350 km |
|
8780 km |
|